Was ist das nur mit mir und der Nacht?

Ich war schon immer ein Nachtmensch. 

Ich kann nachts alles besser. 

Lesen, denken, leben, atmen.

Wenn die Grillen anfangen zu zierpen und der Mond so hell scheint als könne ihn nichts aufhalten. Wenn alle Lichter ausgeschaltet sind und die Menschen in ihren Betten liegen und ruhig atmen, so ruhig als könne sie nichts aus der Fassung bringen. Wenn die Vögel still werden und erst mit dem Aufgang der Sonne ihr fröhliches Lied fortsetzen. Wenn das Rauschen der Bäume Geschichten zu erzählen scheint und der Wind in unbestimmten Takten singt. 

Wenn ich in den Nachthimmel blicke und mir die Sterne zuzwinkern die so sehr funkeln und vor Schönheit strotzen wie nur Sterne es zu tun vermögen.

Das rhythmische Ticken der alten Taschenuhr erinnert an die Zeit und daran, dass all die einsamen Seelen bald aus ihrer unbegrenzten Traumwelt erwachen und zurück in ihren Alltag fallen. 

Und dann kenne ich, nur ich, all die Geheimnisse die der Mond mir, jede Nacht aufs neue flüstert.

Pauline

Du starrst an die Decke

Du starrst an die Decke, bist zwischen den Wänden und deinen Gedanken gefangen.

Das Licht in deinen Augen ist schon lange geschwunden und leblose Höhlen dominieren dein bleiches Gesicht.

Wenn der Blitz dich ergreift, die Welle über dir bricht und du nur noch von schäumendem Nichts umgeben bist, streift dich erneut die letzte, klare Erinnerung:

deine Hand in seiner.

Pauline

Als du noch ein Kind warst…

Als du noch ein Kind warst und vor nichts angst hattest, dich nicht vor dem Erklimmen des höchsten Baumes oder den tiefsten Gewässern gefürchtet hast, weil du einfach geschwommen bist. Als du dich noch nicht um die Zukunft gekümmert hast und deine größte Sorge die nicht gemachte Hausaufgabe war. Als du einen gute Nacht Kuss bekommen hast und selig einschlafen konntest, voller Neugierde auf den neuen Tag. Und du die Geschenk gesucht hast, die deine Mutter vor Weihnachten, wie immer, in ihrem Schrank versteckt hatte. Als du noch ein Kind warst und den ganzen Tag gespielt hast, beflügelt und leicht. Wenn du mal krank warst und das Gefühl hattest sterben zu müssen, weil du dich so elend in deinem Bettchen gefühlt hast. Als du noch ein Kind warst und von Tag zu Tag leben konntest. Unbeschwert, unbekümmert, sicher und voller Lebensfreude.

Als du noch ein Kind warst und du keine Ahnung vom wahrhaftigen Leben hattest.

Pauline

Du bist…

Du bist nicht deine Größe, noch dein Gewicht oder dein Aussehen. Du bist nicht deine zu große Nase, oder deine zu kleinen Lippen. Du bist nicht die Zahl, die dein Bankkonto aufweist oder wie viele Freunde du auf Facebook hast. Du bist nicht deine Familie in die du geboren wurdest oder der Name auf deinem Personalausweis.

Du bist all das, an dass du glaubst. Du bist die Werte, die du vertrittst und die Nachrichten die du weitergibst. Du bist die Meinung für die du einstehst und die Worte die du sprichst. Du bist dein Lächeln auf den Lippen und deine Stimme, wenn du die drei Worte sagst. Du bist die Lieder die du auswendig kannst und die Fotos, die an deinen Wänden hängen. Du bist der erste Gedanke am Morgen und der letzte am Abend, den du hast. Du bist die Bücher die du liest, die Menschen die du liebst und die Zukunft von der du träumst. Du bist jede Träne die du vergießt, jeder schmerzhafte Moment und jeder schwerelose Augenblick. Du bist jede Erinnerung die du hast, jedes Ziel das du bestrebst und die Träume deiner Nacht. Du bist die Zeilen die du schreibst und das Leben das du lebst.

Pauline

Brief an mich

Ich wünsche mir zu reisen, zu unberührten Orten deines Geistes.

Zu den wildesten, phantasievollsten Dschungel deiner bodenlosen Träume.

Mit dir deine Ideenberge besteigen und die besten umsetzen.

Durch Ozeane deiner Gedanken und durch deine dunkelsten und bedrückendsten Stürme segeln.

Hoch und runter, durch dick und dünn, bis an dein sehnsüchtig gestecktes Ziel wandern.

Geduldig Auswege und Lösungen finden, wenn du nochmal nicht weiter wissen solltest.

Dich mit einem Seil aus Zuspruch und Zuversicht aus dem schwarzen, unendlich scheinendem Loch, raus ziehen.

Liebes hoffnungslose Ich, lass mich ein demütiger, aufrichtiger und loyaler Gefährte sein.

In Liebe, dein gesundes Ich.

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Ein kleiner Brief, an den ich in dunklen Zeiten zurück denken kann um mich daran zu erinnern, dass ich mich auf mein innerstes, wahres Ich immer verlassen kann, es mich unterstützt und auf mich wartet.

Pauline