Depressionen – wie ich in das schwarze Loch fiel

Das ist kein leichtes Thema und mir fällt es schwer darüber zu schreiben, aber ich denke es ist wichtig es anzusprechen. Also folgt meine Geschichte, ich hoffe ich konnte meine Erfahrungen anschaulich beschreiben.

Vor ungefähr zwei Jahren ist mein Opa gestorben. Damit fing es bei mir an. Ich war unendlich traurig, natürlich. Aber alle anderen schienen sich langsam zu erholen, nur mir fiel das lachen noch schwer. Ich hielt mich einfach für besonders sensibel und hoffte das es auch mir bald besser gehen würde. Irgendwann war ich auch nicht mehr traurig, ich war gar nichts mehr, ich war wie betäubt. Im Herbst letzten Jahres konnte ich nicht mehr, ich brach zusammen, ich gab auf. Dieses große, schwarze nichts überrollte mich. In meiner Familie sind Depressionen bereits bekannt und zum Glück kein Tabuthema. Ich habe mich meiner Mutter und meinem Bruder anvertraut. Es war morgens, meine Mutter wollte mich wecken, aber ich konnte nicht aufstehen, die Decke war zu schwer. Ab diesem Zeitpunkt bin ich gefühlt wochenlang nicht aufgestanden, ich war über drei Monate nicht in der Schule. Es fühlt sich an als ob die sonst so weiche und warme Bettdecke wie aus Blei auf dir liegen würde, du kriegst keine Luft mehr. Es fühlt sich an als ob deine Brust eingeschnürt wäre, du starrst stundenlang die weiße Wand an, ohne zu bemerken wie die Zeit vergeht. Man kann nicht schlafen, egal wir erschöpft man ist, die Gedanken kreisen, man kommt nicht zur Ruhe. Man bekommt alles mit, man ist körperlich anwesend, aber mental total abwesend. Abends ging es mir verhältnismäßig gut, aber morgens, wenn ich aufgewacht bin, wenn ich überhaupt geschlafen habe, wünschte ich mir tot zu sein. Ich hatte keine Suizidgedanken, aber ich hätte es nicht bedauert einfach nicht zu existieren. Man befindet sich in einem Strudel, wird immer tiefer ins unendliche nichts gesogen. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie beschissen es Menschen gehen kann.

Ich habe schnell einen Termin bei einer Psychiaterin und einen Therapieplatz bekommen, ich nehme Psychopharmaka, mir geht es um 1000 Prozent besser als noch vor sechs Monaten. Ich bin so unglaublich Dankbar für die Hilfe, Unterstützung und Geduld die mir meine Familie und meine Freunde geboten haben. Es war schwer zu sehen wie es – wie ich – sie belastet habe. Seid wachsam und achtet auf eure Freunde. Vermeidet es, Sätze wie: ” Ach komm, steh auf, stell dich nicht so an”. zu Leuten zu sagen, die auch nur annähernd so was durchmachen müssen. Auch: “Ich war gestern so depressiv” habe ich in letzter Zeit oft hören müssen. Beachtet bitte eure Wortwahl, denn ihr habt, hoffentlich, keine Ahnung was es heißt wirklich depressiv gewesen zu sein oder es immer noch zu sein. Natürlich wurde sowas auch früher schon gesagt, wahrscheinlich kam mir so ein ähnlicher Satz auch schon mal über die Lippen, aber mir fällt es erst jetzt bewusst auf.

Wieso ich das alles schreibe? Ich habe die Hoffnung irgendwem da draußen das Gefühl zu geben nicht alleine zu sein. Ich habe am eigenen Leib erfahren müssen, was es heißt an einer Depression zu leiden, aber ich habe mir Hilfe gesucht, mich anvertraut. Ich will an alle mit-mir-leidenden appellieren: holt euch Unterstützung, es ist ok, wenn man alleine nicht aus dem schwarzen Loch heraus kommt. Probiert es aus! Das Leben kann wunderschön sein; lernt, dass wieder zu erkennen! Wahrscheinlich auch, damit ihr versteht wieso ich welche Beiträge veröffentlicht habe und noch veröffentlichen werde. Auch meine Kurzgeschichte ist Grund dafür. Vielleicht kann man jetzt nachvollziehen, woher ich die Ideen und die Inspiration für manche Formulierungen und Beschreibungen habe, vor allem den letzten Satz.

Pauline

P.s.: Mir ist aufgefallen das ich aus Reflex zuerst immer schreiben wollte das ich Depressionen habe und nicht depressiv bin. Vielleicht, weil es nicht so schlimm ist etwas negatives zu haben wie etwas negatives zu sein?

5 Kommentare zu „Depressionen – wie ich in das schwarze Loch fiel

  1. Wow! Beeindruckend wie du damit umgehst, ein Freund von mir erzählt in letzter Zeit auch von solchen Sachen will sich aber keine Hilfe suchen. Weiß nicht wie ich damit umgehen soll und wollte mich im Netz schlau machen, da habe ich dinen Text gefunden. Werde ihm den mal senden. Vielleicht ermutigt ihn der…

  2. Es gehört eine Menge mit dazu darüber zu schreiben. Ich finde es sehr toll. Hatte früher selbst schwere Depressionen und habe es zum Glück in Eigenregie geschafft mich davon zu befreien. In meinem Blog teile ich meine Erfahrungen und meine Erkenntnisse. Würde mich freuen, wenn du vorbeischaust. Vielleicht ist ja was dabei für dich, dass dich unterstützt.

    Lg Silviu

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