Die Zigarette

Das Feuerzeug flammte flackernd auf, als er das Rädchen mit seinem rechten Daumen runter drückte. Er hielt es an die Zigarette und sie glühte auf. Er sog tief ein, während die Zigarette sich mehr und mehr in Asche wandelte. Er hielt die Luft für einen Sekundenbruchteil in seiner Lunge und atmete dann aus. Der Rauch, der aus seinem Mund kam, klebte kurz an seinen Lippen, an seinem ganzen Gesicht fest, es schien als wollte er ihn nicht loslassen. Die Qualmwaben begannen zwischen ihren Gesichtern zu tanzen. Seine Lippen und seine Finger zitterten, waren fast bläulich. Auch aus ihrem Mund kamen Waben, allerdings durch die Kälte verursacht. Die Sonne war schon längst untergegangen und die Lampe über ihnen warf ein kühles Licht auf sie, was den Rauch nur noch gespenstischer aussehen ließ. Sie hasste es. Sie hasste es, dass er seine Gesundheit für das Rauchen aufs Spiel setzte. Und sie hasste es, dass er nicht damit aufhörte, obwohl er ganz genau wusste, wie sehr sie es verabscheute. Aber am meisten störte sie, dass er NIEMALS für sie mit dieser banalen Sucht aufhören würde. Er hing mehr an den Kippen als an ihr. Bei dem Gedanken flackerte das Gefühl, von ihm nicht geliebt zu werden, wie das Feuerzeug vor einigen Sekunden, auf. Das Gefühl hatte sie viel zu oft.

“Sara?”

“Hmh?”

“Willst du?”

Sie nahm die Zigarette und zog an ihr, als würde ihr Leben davon abhängen.

Pauline

6 Kommentare zu „Die Zigarette

  1. Liebe Pauline

    Danke Dir für die kurz Geschichte!

    Ich selbst habe noch nie geraucht, komme aber aus einer Familie in der fast jeder raucht! (ausser ich! ;oD)

    Hab ein schönes Wochenende!

    xoxo
    Jacqueline

  2. Die Kurzgeschichte ist echt berührend… Ich rauche leider selbst und irgendwie kann ich mich da ziemlich identifizieren.

    Liebe Grüße
    Ena von Just a swabian girl

  3. eine Geschichte, die definitiv zum Nachdenken anregt und mir zeigt, dass ich doch froh bin, nie wirklich geraucht zu haben … hatte in der Schulzeit mal so eine Phase, in der ich ganz gerne mal beim Feiern mitgezogen hab, aber dafür bin ich wirklich zu alt 😉
    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

  4. Hallo, die Kurzgeschichte macht nachdenklich. Ich habe mit 17 auch geraucht, habe aber aufhören können, war nicht leicht.
    Liebe Grüße Bo

  5. Hey Pauline,

    wirklich tolle Kurzgeschichte. Es erinnert mich an meinen einen Weg. Ich hab damals ein Praktikum bei meinem Ex-Freund in der Firma abgelegt. Er rauchte. Auch seine Kollegen. Er und seine Kollegen fragten mich, ob ich denn nicht gerne mit runter kommen würde (die obligatorische Raucherpause). Anfangs hab ich keine geraucht, bin standhaft geblieben. Leider entwickelte sich dies anders. Irgendwann fing auch ich an zu rauchen und erst vor knapp einem Jahr konnte ich aufhören. Ich hab letzten Endes gut 3 Jahre geraucht. Es ist immer noch nicht leicht nicht mehr zu rauchen, denn ab und zu, wenn es zu stressig ist, ist das Bedürfnis groß. Denn rauchen war für mich immer ein Moment um abzuschalten.

    Ich hätte nie anfangen dürfen. Zum Glück schmeckt das ganze mir nicht mehr. Hab es nämlich zu Silvester probiert. Aber der Gedanke der Entspannung lässt mich nicht mehr los.

    Wirklich toll. Mach weiter so. Ich lese deine Texte gerne.

    XoXo – Bissu

    M

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