Nicht zu findende Worte 

Sie saß an ihrem Schreibtisch, die Füllerkappe hielt sie in der rechten und den Füller selber in der linken Hand. Das Blatt auf dem sie angefangen hatte zu schreiben lag zerknüllt vor ihr. Sie griff danach und warf es in den bereits halb gefüllten Papierkorb, anschließend nahm sie sich ein neues aus der Schublade. Die leere des Blattes schien ihr ins Gesicht zu springen. Ihre Haare fielen ihr ins Gesicht, sie warf sie hinter ihre Schulter und setzte den Stift erneut an. Ihr eingegipster Fuß fing wieder an zu pochen, die Wirkung der Schmerztablette ließ nach. Sie dachte an den Unfall und an das ohrenbetäubende Geräusch als das Auto und das Fahrrad aufeinander prallten. Sie wischte sich die Tränen mit ihrem Handrücken von den Wangen, hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Sie suchte Worte die in dieser Situation unmöglich zu finden schienen. Worte, die sie an die Eltern richten konnte, die ausdrückten das sie sich das was passiert war niemals verzeihen konnte. Sie dachte, dass wenn sie nicht betrunken in ihr Auto gestiegen wäre, der Junge noch leben würde. Der Junge dessen Eltern jetzt keine Eltern mehr waren. Sie sah aus dem Fenster, es hatte begonnen zu regnen, nicht nur draußen, auch in ihrem innersten hatte es begonnen zu regnen.

Kurzgeschichte #2

Pauline

2 Kommentare zu „Nicht zu findende Worte 

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