Psychopharmaka absetzen und meine Erfahrungen mit Sertralin

Vorgeschichte

Wie in meinem Beitrag Depressionen – wie ich in das schwarze Loch fiel bereits geschrieben, nehme ich zur Zeit Psychopharmaka, Antidepressiva. Zuerst nahm ich das Mittel “Fluoxetin”, welches aber nicht wirklich half, also hat mir meine Psychiaterin “Sertralin” verschrieben. Beide Mittel zählen zu den “selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer”. Sertralin half.

Sertralin – Meine Erfahrungen

Am Anfang wurden mir 50mg verschrieben, die normale Dosis um zu starten, bei einem “Durchschnitts-depressiven”. Es wurde besser, aber meine Schlafprobleme quälten mich immer noch. Also wurde auf 75mg erhöht und dann auf 100mg. Bei 75mg ging es mir für mein Empfinden wieder richtig gut aber meine Ärztin sagte, dass da definitiv noch Luft nach oben ist. Das verblüffte mich richtig. Ich war so erleichtert und mir ging es wieder so gut, im Verhältnis zu den Monaten davor… Aber mit 100mg merkte ich nochmal einen deutlichen Unterschied. Jeden morgen nahm ich also eine dieser kleinen Pillen, manchmal fühlte ich mich wie eine Drogenabhängige, was ich in gewisser Weise ja auch war und bin. Aber es ist nichts schlimmes daran. Ich mache kein Geheimnis daraus und in meinem Freundeskreis machen wir Witze darüber, ob ich Person XY nicht mal eine mitbringen sollte, der/die ist in letzter Zeit nicht so gut drauf. Es nehmen statistisch gesehen immer mehr Leute Antidepressiva, was einerseits natürlich traurig ist, andererseits wird die Gesellschaft immer toleranter. Brachten die Pillen Nebenwirkungen mit sich? Mein Haut spielte in den ersten Wochen verrückt, aber lieber Pickel als Depressionen. “Fun” Fact: Eine Nebenwirkung von Antidepressiva sind Depressionen. Ziemlich Paradox.

Psychopharmaka absetzen

Jetzt wird es Zeit meine, liebevoll genannten, “Happy Pills” abzusetzen. Meine Psychiaterin hat gesagt, dass man die Tabletten noch ein Jahr, nachdem es einem wieder gut geht, nehmen sollte. Das Jahr ist für mich bald rum, im Frühjahr 2017 hatte ich wohl die ersten Momente, in denen ich wieder leichter aufstehen konnte und meine grundsätzliche Stimmung sich gebessert hatte. Aber der Gedanke meinen geschützten Hafen zu verlassen und wieder mit meiner Psyche alleine zu sein, ohne medikamentöse Unterstützung, ängstigt mich. Scheiße, habe ich eine angst. Ich habe angst, wieder in ein schwarzes Loch zu fallen, das ich es ohne Medikamente nicht schaffe, dass alles, was ich denke gelernt zu haben nur eine Illusion durch meine kleinen Helferchen war. Ich will nie mehr da hin wo ich vor mittlerweile über einem Jahr war. Die Medikamente werden langsam abgesetzt, ich denke in 25mg Sprüngen und zwischen den Senkungen ein paar Wochen Zeit.

Ich denke ich werde meine Erfahrungen hier mit dir teilen, wenn es dich interessiert?!

Pauline

14 Kommentare zu „Psychopharmaka absetzen und meine Erfahrungen mit Sertralin

  1. Meine liebe Pauline,
    zweifle nicht an Dir selbst. Du wirst merken, dass Du mit Deinen „Happy Pills“ gelernt hast aus deinem schwarzen Loch heraus zu kommen. Nun bist du draußen und lebst ganz normal, das wird sich ohne Tabletten auch nicht ändern. Natürlich kommt irgendwann sicherlich nochmal eine depressive Phase, aber warum solltest Du Dir dann nicht nochmals hilfe holen? Hab keine Angst davor, es wird alles gut werden und du bist auf dem richtigen Weg.
    Beste Grüße
    Regina

  2. Ich hatte nach der Geburt meiner zweiten Tochter eine Kindsbettdepression und bin heilfroh, dass es solche Medikamente gibt! Ich hatte sie dann nach eineiger Zeit auch absetzten können und habe nur an ganz trüben Tagen noch Probleme – aber dafür habe ich eine Tageslichtlampe.

  3. Ich finde es bewundernswert, wie offen du mit diesem Thema umgehst und eine Erfahrungen teilst! Sicher hilfst du damit vielen, die noch nicht so weit sind, sich jemandem anzuvertrauen. Weiter so!
    Herzliche Grüße,
    Marie

  4. Hut ab, wie offen du darüber berichtest. Ich denke damit machst du vielen die in einer ähnlichen Lage sind Mut. Gut, dass es mittlerweile schon so gute Medikamente gibt die auch wirklich helfen! Ich bin gespannt was du weiterhin darüber berichten wirst!

    Alles Liebe,
    Verena
    whoismocca.com

  5. Hallo, ich setze auch gerade meine Psychopharmaka ab. Ich hab mich dafür im ADFD-Forum informiert und dort wird geraten, noch langsamer abzusetzen. Gerade SSRI können sehr schwierig werden. Bei mir hat Citalopram sofort abzusetzen bis jetzt geklappt (5 mon. her), aber das Abilify schleiche ich vorsichtiger aus. Im ADFD-Forum (www.adfd.org) wird geraten, nur 10% pro vier bis sechs Wochen auszuschleichen. Die Leute dort sind sehr nett und das Forum ist gut gepflegt. Hey, schau doch gern dort mal vorbei, wenn Du Fragen hast.
    Herzliche Grüße und alles Gute!

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