Psychopharmaka abgesetzt – meine Erfahrungen

Hier sitze ich also, nicht ganz eine Woche “clean”, stolz aber irgendwie auch traurig.

Falls du Hintergrundwissen brauchst oder dich meine Erfahrungen mit Depressionen und mit dem Einnehmen von Psychopharmaka interessieren, schau doch mal hier: Depressionen – wie ich in das schwarze Loch fiel und hier: Psychopharmaka absetzen und meine Erfahrungen mit Sertralin vorbei.

Ich habe, soweit ich mich erinnern kann, im Januar 2017 angefangen täglich 75mg Sertralin zu nehmen, nachdem ich mit Fluoxetin keinen Erfolg hatte. Die 75mg reichten aber auch nicht und ich erhöhte auf 100mg. Das nahm ich dann brav 15 Monate lang. Meine Psychiaterin erklärte mir alles über mögliche Nebenwirkungen und auch wie der Absetzungsprozess aussehen würde: nachdem man ca. ein halbes Jahr stabil war, könne man mit dem Absetzen beginnen hieß es damals. In 25mg Schritten, mit Pausen von ca. drei bis fünf Wochen, je nachdem wie sicher man sich fühlt. Anfang 2017 fühlte ich mich dann bereit, wollte aber noch bis zum Frühjahr warten. “Stabil” war ich zwar schon früher, hatte die Happy Pill aber gerne als Stütze im Hinterkopf. Mit meiner Psychiaterin besprach ich dann alles und ich begann am 16. April damit, die Dosierung zu senken. Ich habe es gemerkt, aber definitiv nicht dramatisch oder sogar so sehr, dass ich wieder erhöhen wollte. Meine Stimmung war gedrückter als sonst und ich war unmotiviert und unkonzentrierter, damit kam ich aber klar. Das hat sich, als mein Körper sich an die Umstellung gewöhnt hat, aber auch wieder gelegt. Ich hatte mir vorgenommen die Dosis alle drei Wochen zu senken, war dann aber von den Nebenwirkungen frustriert und geängstigt, dass ich die erste Phase auf fünf Wochen streckte. Am 20. Mai waren es dann nur noch 50mg und das Spiel wiederholte sich. Allerdings gestärkt mit dem Wissen, dass sich mein Körper am Ende von vier Wochen dran gewöhnt haben würde, begann ich am 11. Juni mit 25mg. Da stellte sich die Angst ein. Ich hatte Angst ohne die Tabletten nicht klar zu kommen, wieder zu fallen, den Rest meines Lebens auf die kleinen, weißen Tablettchen angewiesen zu sein. Am 8. Juli nahm ich dann die letzte Tablette.

Dann kam irgendwie ein Loch. Kein psychisches, sondern körperliches. Anfang der Woche setzte leichter Schwindel ein, der von Tag zu Tag schlimmer wurde, dazu kamen Kopfschmerzen. Meine Psychiaterin sagte, ich solle mich ausruhen, mir das ganze wie einen kalten Entzug vorstellen. Sie sagte, wenn es gar nicht geht solle ich jeden zweiten Tag nochmal 25mg nehmen. Aber das wollte ich nicht. Mein Wille das jetzt einfach durchzustehen war zu groß. Ich wollte die Pillen nicht gewinnen lassen. Das Schwindelgefühl ist zum kotzen, lässt aber langsam nach. Es fühlt sich an, als hätte man zu viel Alkohol getrunken, legt sich ins Bett, schließt die Augen und dann fängt alles an sich zu drehen. Sogar die Übelkeit war ein paar mal da. Aber ich habe durchgehalten. Der Schwindel wird von Tag zu Tag ein bisschen besser. Aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt, dass deutlichere Symptome bemerkbar machen, aber die ersten Wochen waren rückblickend wirklich okay. Ich will hier definitiv nichts schön reden, dafür bin ich nicht da, aber ich war einfach auf alles gefasst gemacht, wovon sich am Ende vielleicht 20% bewahrheiteten.

Ich habe gewonnen.

Stolz bin ich, weil ich jetzt “clean” bin, traurig bin ich, weil überhaupt “clean” werden musste. Natürlich wäre es einfacher gewesen, wenn ich nie einen Grund gehabt hätte, Tabletten zu nehmen.

Fragen könnt Ihr mir gerne per E-mail an yourcompanionsite@gmail.com stellen.

Pauline

Was soll der Scheiß?

Über Marginalisierung und sich selber treu bleiben.

Ich könnte jetzt über die politische Lage, Hungersnot, über Kriege, Rassismus oder Diskriminierung reden. Was für moralische Werte wir haben und was diese mit uns machen, aber ich will auf etwas anderes hinaus:

Unsere Gesellschaft ist so kurzatmig wie nie zuvor, wir entwickeln uns und unsere Ideale jeden Tag weiter und konzipieren Neue. Aber wie gefährlich kann das sein? Wann wird alles zu viel? Wann kommen wir nicht mehr mit?

Individualität ist mittlerweile doch selten geworden und bei vielen sogar Unerwünscht. Wir sind ein reines Nutzkonstrukt. Menschen, die aus dem Schema fallen, werden ausgegrenzt, nicht mehr wahr- und ernst genommen. Marginalisierung gibt es überall, auf alles bezogen, im Kleinen, wie im Großen.

Das Mutigste was wir tun können, ist eigenständig zu Denken und zu Handeln. Wir riskieren alleine zu sein. Aus dem Rahmen zu fallen ist Grund für Angst nicht unterstützt zu werden.

In der Schule kriegt man es besonders gut mit, auch wenn ich mit meiner Klasse da größtenteils sehr viel Glück habe, was aber auch nicht immer so war. Wahrscheinlich wird der Grundstein für dieses Verhalten in frühen Kindertagen gelegt. Wenn man in der Schule Erfahrungen mit Mobbing und Ausgrenzungen gemacht hat, legt man es später vielleicht nicht mehr drauf an und folgt den Erwartungen der Massen…?!

Aber wieso ist das so? Wieso haben ein Großteil der Menschen angst vor Unbekanntem, vor dem, was nicht der Norm entspricht oder den eigenen Idealen widerspricht? Entspringt dieses Handeln aus der Befürchtung, dass auch wir dann ausgeschlossen werden?

Dann sind wir wohl in einem Teufelskreis gefangen.

Jetzt wo ich das alles nochmal gelesen habe, fällt mir auf, eigentlich ist es doch dass, auf was ich hinaus wollte. Denn mit mehr Akzeptanz gäbe es viele Probleme nicht mehr und mit mehr Liebe und Verantwortungsbewusstsein so gut wie keine mehr. Auch die anfangs genannten.

Was denkt ihr darüber?

Pauline

Du starrst an die Decke

Du starrst an die Decke, bist zwischen den Wänden und deinen Gedanken gefangen.

Das Licht in deinen Augen ist schon lange geschwunden und leblose Höhlen dominieren dein bleiches Gesicht.

Wenn der Blitz dich ergreift, die Welle über dir bricht und du nur noch von schäumendem Nichts umgeben bist, streift dich erneut die letzte, klare Erinnerung:

deine Hand in seiner.

Pauline

Als du noch ein Kind warst…

Als du noch ein Kind warst und vor nichts angst hattest, dich nicht vor dem Erklimmen des höchsten Baumes oder den tiefsten Gewässern gefürchtet hast, weil du einfach geschwommen bist. Als du dich noch nicht um die Zukunft gekümmert hast und deine größte Sorge die nicht gemachte Hausaufgabe war. Als du einen gute Nacht Kuss bekommen hast und selig einschlafen konntest, voller Neugierde auf den neuen Tag. Und du die Geschenk gesucht hast, die deine Mutter vor Weihnachten, wie immer, in ihrem Schrank versteckt hatte. Als du noch ein Kind warst und den ganzen Tag gespielt hast, beflügelt und leicht. Wenn du mal krank warst und das Gefühl hattest sterben zu müssen, weil du dich so elend in deinem Bettchen gefühlt hast. Als du noch ein Kind warst und von Tag zu Tag leben konntest. Unbeschwert, unbekümmert, sicher und voller Lebensfreude.

Als du noch ein Kind warst und du keine Ahnung vom wahrhaftigen Leben hattest.

Pauline

Wer bin ich? Mein Standpunkt in der Welt.

In der Schule sollten wir vor einiger Zeit ein Essay schreiben, über uns. Wir durften uns eine Fragestellung oder Überschrift aussuchen. Ich habe das Dokument gerade wiedergefunden und finde, dass es gut hier hin passt.

Ich sitze in meinem Bett, mit dem Laptop auf dem Schoß und weiß nicht richtig wie ich anfangen soll. Ich bin siebzehn Jahre alt, lebe mit meiner Mutter und meinem Bruder in *****. Ich kann mich glücklich schätzen was meine Lebensumstände betrifft. In einem Land wie Deutschland geboren zu werden und leben zu können ist ein unfassbar großes Privileg und ein Luxus, den nicht jeder hat.

Mein Standpunkt in der Welt ist klar durch gesellschaftliche Gewohnheiten und Erwartungen geprägt. Ich gehe zur Schule und habe mehr oder weniger einen „Plan“ was ich mit meinem Leben machen möchte. Ich habe Freunde, eine liebende und geliebte Familie, eine Passion die mein Leben füllt. Ich bin kein Außenseiter, werde gemobbt oder ähnliches. Ich werde von meinen Mitmenschen so akzeptiert wie ich bin und konnte mir einen Charakter aufbauen mit dem ich grundsätzlich zufrieden bin. Natürlich wäre ich gerne fleißiger, strebsamer und irgendwie auch sicherer in dem was ich tue, aber prinzipiell bin ich klaglos. Aber hinter der Fassade bröckelt es.

Ich hinterfrage viel. Mir wird immer gesagt, dass ich zu viel nachdenke, mir zu viele Sorgen mache. Ich fühle mich persönlich schuldig, wenn irgendetwas nicht so läuft wie ich es mir vorgestellt habe oder es mir wünsche, wenn es jemandem, den ich liebe, schlecht geht. Durch eine Phase in der es mir sehr schlecht ging, durfte ich viele lernen. Ich bin in Therapie, nehme Psychopharmaka, habe quasi die Abgründe der menschlichen Psyche gesehen. Dadurch fühle ich mich manchmal älter als ich bin. Als hätte ich Dinge erlebt, gefühlt, gedacht und durchgemacht, die die wenigsten in meiner Alter erleben mussten. Das ist ja hoffentlich auch so, aber ich habe dadurch auf viele Situationen und Erlebnisse einfach einen anderen Blickwinkel.

Aber natürlich will ich mich nicht durch die Depression definieren, ich bin nicht die Depression, die Depression ist lediglich ein Teil von mir, den ich mehr oder weniger hinter mir gelassen habe. Trotzdem hat sie mich und mein Denk- und Sichtweise stark geprägt.

Die Frage „Wer bin ich“ ist aber auch schwer kurz zu beantworten, ich habe nämlich selber nicht wirklich eine Ahnung und müsste wahrscheinlich Seiten lange Texte schreiben um das Chaos, welches gerade in meinem Kopf herrscht, zu ordnen und zu einem klaren Ergebnis zu kommen.

Alles in allem fühle ich mich aber gut gewappnet für die Zukunft und denke, dass ich das mit dem „Leben“ schon irgendwie hinkriege. Gewiss nicht ohne Fehler, Niederschläge oder schlechte Phasen, aber immerhin lebe ich. Das ist doch eigentlich das wichtigste. Es geht doch gar nicht darum, WER man ist, sondern DAS man ist!

Der Text hat nicht wirklich einen roten Faden, aber ich stehe hinter den Worten zu 100%. Was denkst du zu diesem Thema? Was ist dein derzeitiger Standpunkt und wie hättest du ihn gerne? Lass mir deine Gedanken gerne in den Kommentaren da!

Pauline

 

Als die Welt unterging

Die Welt endete nicht mit einem großen bäng. Sie endete von Zeit zu Zeit, leise und gar unbemerkt. Sie starb vor unseren Augen, die wir geschlossen hielten, weil wir das Unheil, dass direkt vor uns geschah nicht sehen wollten, nicht wahrhaben konnten.

Uns wurde ein so unendlich kostbares Geschenk gemacht, ein Lebensraum. Von was oder von wem muss jeder für sich definieren. Wie konnten wir unserem Planeten das antun und ihn so zurichten? Wie konnten wir das mit unserem Gewissen vereinbaren? Was hat uns dazu getrieben? Wir sind Menschen und haben die Welt zu einem unmenschlichen Ort hergerichtet! Wie konnten wir nur unsere Meere mit Müll voll pumpen? Wie konnten wir es zulassen, dass jeden Tag etliche Tiere ihr natürliches Umfeld verlassen müssen, weil wir mal wieder einen Teil des Regenwalds abholzen? Wie konnten wir es soweit kommen lassen, dass “Friede” ein Fremdwort geworden ist und Krieg, Hass und Leid für viele zum Alltag gehört?

Die, die es können scheinen sich entschieden zu haben: einfach das Beste aus der Zeit zu machen die bleibt. Das Wichtigste scheint für sie ohne Verzicht zu leben. Ihnen ist es egal wie lange es diesen Planeten noch gibt, solange sie vier lagiges Klopapier, Gummibärchen die in kleinen Tüten Plastik in der großen Plastiktüte verpackt sind, sie Blütenweißes Papier zum Schreiben haben und den “Coffee to go” im Pappbecher in der Hand halten, scheinen sie zufrieden. Nicht “unnötig” viel Geld für Klamotten auszugeben, sondern möglichst viel für möglichst wenig zu besitzen, für viele unabdingbar. Natürlich machen sie das nicht bewusst oder mit bösen Absichten, sie denken nur nicht drüber nach… Ich schließe mich da auch nicht aus, ich schreibe in der Schule auch auf weißen Blättern und nicht auf den recycelbaren, gelblichen und als beruflich “Kaffeeabhängige” erwische ich mich auch mit den “to go” Bechern in der Hand, aber ich habe Momente in denen ich einsichtig bin und hoffe in Zukunft bedachter umzugehen und mir den Konsequenzen bewusst zu sein, die mein Kaufverhalten mit sich bringt!

Bei dem Fakt, dass eine Folge “Emergency Room” 13 Millionen US-Dollar gekostet hat, eine Folge “Game of Thrones” 6 Millionen und das Retten eines Kinderlebens mit Hilfe von Medikamenten gegen eine heilbare Krankheit nur 2000 US-Dollar kostet, wird mir schlecht. Aber wenigstens werden wir gut unterhalten während Menschen sterben, die Welt zu einem Ort Unmoralischer wird und sie von Zeit zu Zeit untergeht…

Achtet ihr auf Nachhaltigkeit und was sagt ihr zu dieser Thematik?

Pauline

Optionslähmung

Wir haben so viele Möglichkeiten und Perspektiven, dass wir keine Ahnung haben, was wir machen sollen, geschweige denn was wir machen wollen. In meiner Klasse ein verbreitetes Phänomen: Angst. Angst vor der Zukunft und was sie mit sich bringt. Im besonderen das Leben in der Berufswelt.

Nächstes Jahr machen wir (hoffentlich) unser Abitur und dann geht das Leben richtig los. Ich bin einer der wenigen Personen, die mehr oder weniger einen Plan verfolgen, ein Ziel haben. Nicht alle haben dieses Glück. Ein Gespräch mit einer guten Freundin, Yara, hat mich zum Nachdenken gebracht.

Ein Traumjob, ein Ziel, zu haben, ist Segen und Fluch zu gleich.

Yara hat noch nicht wirklich eine Idee, kann somit aber auch nicht enttäuscht werden, im Gegensatz zu mir. Wenn mein Wunsch, aus welchem Grund auch immer, nicht in Erfüllung gehen würde, stünde ich nicht nur planlos sondern auch enttäuscht und niedergeschlagen vor dem Nichts. Ich bin seit Jahren festgelegt und haben keinen Alternativplan, keine Ausweichmöglichkeit. Für mich gibt es im Moment nur eine Richtung: mein größter Wunsch ist es zu schreiben, am liebsten Bücher, Kurzgeschichten, Prosa. Es ist nicht so, dass ich schreiben will. Ich muss schreiben!

Aber was ist besser? Einen Plan haben und mit der Chance leben, dass man vielleicht enttäuscht wird? Oder unvoreingenommen in die Berufswelt starten, mit der Aussicht, möglicherweise Jahre zu verschwenden, bis man irgendwann den passenden Beruf gefunden hat? Für mich klingt beides angst einflößend, es geht schließlich um unsere Zukünfte…

Wie war/ist das bei dir? Hattest oder hast du einen Plan? Falls du schon arbeitest, studierst oder eine Ausbildung machst: hat dein Plan oder Wunsch sich als Realität herausgestellt oder nicht?

Pauline

Psychopharmaka absetzen und meine Erfahrungen mit Sertralin

Vorgeschichte

Wie in meinem Beitrag Depressionen – wie ich in das schwarze Loch fiel bereits geschrieben, nehme ich zur Zeit Psychopharmaka, Antidepressiva. Zuerst nahm ich das Mittel “Fluoxetin”, welches aber nicht wirklich half, also hat mir meine Psychiaterin “Sertralin” verschrieben. Beide Mittel zählen zu den “selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer”. Sertralin half.

Sertralin – Meine Erfahrungen

Am Anfang wurden mir 50mg verschrieben, die normale Dosis um zu starten, bei einem “Durchschnitts-depressiven”. Es wurde besser, aber meine Schlafprobleme quälten mich immer noch. Also wurde auf 75mg erhöht und dann auf 100mg. Bei 75mg ging es mir für mein Empfinden wieder richtig gut aber meine Ärztin sagte, dass da definitiv noch Luft nach oben ist. Das verblüffte mich richtig. Ich war so erleichtert und mir ging es wieder so gut, im Verhältnis zu den Monaten davor… Aber mit 100mg merkte ich nochmal einen deutlichen Unterschied. Jeden morgen nahm ich also eine dieser kleinen Pillen, manchmal fühlte ich mich wie eine Drogenabhängige, was ich in gewisser Weise ja auch war und bin. Aber es ist nichts schlimmes daran. Ich mache kein Geheimnis daraus und in meinem Freundeskreis machen wir Witze darüber, ob ich Person XY nicht mal eine mitbringen sollte, der/die ist in letzter Zeit nicht so gut drauf. Es nehmen statistisch gesehen immer mehr Leute Antidepressiva, was einerseits natürlich traurig ist, andererseits wird die Gesellschaft immer toleranter. Brachten die Pillen Nebenwirkungen mit sich? Mein Haut spielte in den ersten Wochen verrückt, aber lieber Pickel als Depressionen. “Fun” Fact: Eine Nebenwirkung von Antidepressiva sind Depressionen. Ziemlich Paradox.

Psychopharmaka absetzen

Jetzt wird es Zeit meine, liebevoll genannten, “Happy Pills” abzusetzen. Meine Psychiaterin hat gesagt, dass man die Tabletten noch ein Jahr, nachdem es einem wieder gut geht, nehmen sollte. Das Jahr ist für mich bald rum, im Frühjahr 2017 hatte ich wohl die ersten Momente, in denen ich wieder leichter aufstehen konnte und meine grundsätzliche Stimmung sich gebessert hatte. Aber der Gedanke meinen geschützten Hafen zu verlassen und wieder mit meiner Psyche alleine zu sein, ohne medikamentöse Unterstützung, ängstigt mich. Scheiße, habe ich eine angst. Ich habe angst, wieder in ein schwarzes Loch zu fallen, das ich es ohne Medikamente nicht schaffe, dass alles, was ich denke gelernt zu haben nur eine Illusion durch meine kleinen Helferchen war. Ich will nie mehr da hin wo ich vor mittlerweile über einem Jahr war. Die Medikamente werden langsam abgesetzt, ich denke in 25mg Sprüngen und zwischen den Senkungen ein paar Wochen Zeit.

Ich denke ich werde meine Erfahrungen hier mit dir teilen, wenn es dich interessiert?!

Pauline

Wie das Schreiben mir vielleicht das Leben retten konnte

Was nun folgt, habe ich geschrieben als ich noch tief in der Depression gesteckt habe. Das ist sehr persönlich und nicht leicht ab zu tippen. Ich habe Seitenweise geschrieben, weil sich der ganze Müll und das Gedankenchaos sonst nur angestaut hätte. Ich habe das Heftchen, in das ich geschrieben habe, gerade erst wieder gefunden und bin ein bisschen erschrocken. Wirklich klar kann ich mich nämlich, bei den meisten Sachen, nicht mehr an das Verfassen erinnern. In dieser Zeit war es ein Ventil, welches ich dringend nötig hatte. Vielleicht war es sogar Lebenswichtig…

Wie bin ich hier hingekommen?

Ich sitze auf dem Sofa im Wohnzimmer, morgens um fünf Uhr und ich bin allein. (Faktisch bin ich nicht alleine, unsere Katzen haben sich an meine Füße gekuschelt, aber ich bin einsam, so einsam habe ich mich noch nie gefühlt. Auch nicht in letzter Zeit, als es schlimmer wurde. Alleine und einsam sein sind für mich ohnehin zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Alleine ist man, wenn sich kein anderer Mensch in der Nähe befindet, aber einsam kann man auch in einem Stadion, gefüllt mit anderen, sein.) Einsam mit meinen schweren Gedanken und den unzähligen “Was wäre wenn…” in meinem Kopf. Depressionen, ein Kampf gegen sich selber. Geschlafen habe ich noch nicht und im Bett zu liegen hielt ich nicht mehr aus. Es hat sich an gefühlt, als würden meine Lungen kollabieren. Als würde ich ersticken und alle Last der Welt einzig und allein auf meinen Schultern liegen. Ich war schon immer empathisch was ich eigentlich für eine gute Eigenschaft hielt, aber ich denke ich bin zu einfühlsam. Gedankensplitter haben meinen Körper, wie schon so oft, durchstochen. Die Erinnerungen an meinen geliebten Opa haben mich in einer erneuten, ungewöhnlich heftigen, Welle überrannt. Mein Bruder ist gerade mit Freunden nach Hause gekommen. Sie waren feiern und sind angetrunken. Ich wünschte ich wäre jetzt glücklich und müde wie sie nach Hause gekommen, könnte ins Bett fallen und nach Sekunden schlafen. Müde bin ich zwar aber an Schlaf ist trotzdem nicht zu denken. Mein Herz hat sich mittlerweile beruhigt und meine Lungenflügel können sich wieder normal füllen. Aber aufstehen kann ich trotzdem nicht. Eine unsichtbare Kraft hält mich immer noch nach unten, wie Gewichte die mich runter ziehen und auf mir liegen. Das ist wohl die Last der Welt, die ich so deutlich spüren kann. Sonst spüre ich nichts. Noch nicht einmal Trauer über meinen Zustand. Nur Schwere die mich mein Leben nicht mehr leben lässt. Mir wurde meine Seele und alles menschliche genommen.

Vor einigen Wochen habe ich es erzählt. Ich hielt das alles nicht mehr aus. Ich bin zusammengebrochen, nach knapp 1 1/2 Jahren bin ich unter der Schwere, die meine Depression angenommen hatte, eingeknickt. Der ständige Regen in meinem Kopf wurde zu laut. Es viel mir schwer, ich wollte nie einer von diesen Menschen sein. Depressionen sind in der heutigen Gesellschaft doch schon als Modekrankheit verschrien. Depressionen sind so unfassbar häufig geworden. Und ich bin eines der Opfer.

Mittlerweile kann ich zum Glück sagen, dass ich meine Seele und das was mich als Menschen ausmacht, wieder gefunden habe. Vielleicht klingt das in deinen Ohren albern, oder sogar lächerlich, aber so sah meine Gefühlswelt vor circa acht Monaten noch aus. Es war, als wären die Dinge, nachdem ich sie niedergeschrieben habe, in meinem Kopf nicht mehr so präsent gewesen. Ich wusste, dass ich, mein Geist, nicht weinen muss, sondern auf dem Papier bluten musste.

P.s.: Heute ist der sechste Oktober. Vor genau 2 1/2 Jahren ist mein Opa gestorben.

Pauline

Was mich meine Depression gelehrt hat

I’ve never met a strong person with an easy past.

Depressionen sind scheiße – keine Frage. Zumindest so lange man in einer steckt. Wenn es einem wieder besser geht, die Wunden geheilt sind und man getrost an diese Zeit zurück denken kann, kommen (mir auf jeden Fall) auch positive Dinge in den Sinn. Um denen, welche gerade noch eine schreckliche Zeit durchmachen, vielleicht Mut zu machen, kommt hier eine Aufzählung dieser Dinge, die Du hoffentlich auch bald wieder erkennen kannst:

  1. Dankbarkeit – Ich nehme Dinge anders wahr. Ich bin dankbar, dass es mir wieder gut geht und bin nicht mehr so leicht runter zu kriegen, da ich weiß was es heißt am Boden zu sein.
  2. Empathie – Nachdem man solch eine Zeit überstanden hat, kann man sich gut in Leute hinein versetzen, die gerade etwas ähnliches erleben. Ich kann nachvollziehen oder zumindest erahnen wie es in ihnen geht. Das hilft mir im Umgang mit Mitmenschen enorm.
  3. Wertschätzung – Ich schätze jeden Tag an dem ich aufwache, aufstehen kann und den Tag ohne außerordentliche Anstrengungen meistern kann.
  4. Bewusstsein – Ich lebe bewusster, genieße schöne Momente, nehme diese intensiver war.
  5. Kampfgeist – Gezwungenermaßen habe ich gelernt zu kämpfen, ich bin stärker und ‘härter im Nehmen’ geworden.
  6. Selbstkenntnis – Ich weiß jetzt, wann es mir reicht, weiß wann ich mir was zutrauen kann und wann ich mich besser zurückhalten sollte.
  7. Stolz – Ich bin unglaublich stolz auf mich, dass ich das, im wahrsten Sinne des Wortes, überlebt habe.

Auch wenn das “nur” sieben Punkte sind, sind es sehr gewichtige Dinge. Was ich persönlich noch gelernt habe, ist, dass der Tod etwas ist, dass den Zurückgebliebenen zustößt.

Pauline