Was soll der Scheiß?

Über Marginalisierung und sich selber treu bleiben.

Ich könnte jetzt über die politische Lage, Hungersnot, über Kriege, Rassismus oder Diskriminierung reden. Was für moralische Werte wir haben und was diese mit uns machen, aber ich will auf etwas anderes hinaus:

Unsere Gesellschaft ist so kurzatmig wie nie zuvor, wir entwickeln uns und unsere Ideale jeden Tag weiter und konzipieren Neue. Aber wie gefährlich kann das sein? Wann wird alles zu viel? Wann kommen wir nicht mehr mit?

Individualität ist mittlerweile doch selten geworden und bei vielen sogar Unerwünscht. Wir sind ein reines Nutzkonstrukt. Menschen, die aus dem Schema fallen, werden ausgegrenzt, nicht mehr wahr- und ernst genommen. Marginalisierung gibt es überall, auf alles bezogen, im Kleinen, wie im Großen.

Das Mutigste was wir tun können, ist eigenständig zu Denken und zu Handeln. Wir riskieren alleine zu sein. Aus dem Rahmen zu fallen ist Grund für Angst nicht unterstützt zu werden.

In der Schule kriegt man es besonders gut mit, auch wenn ich mit meiner Klasse da größtenteils sehr viel Glück habe, was aber auch nicht immer so war. Wahrscheinlich wird der Grundstein für dieses Verhalten in frühen Kindertagen gelegt. Wenn man in der Schule Erfahrungen mit Mobbing und Ausgrenzungen gemacht hat, legt man es später vielleicht nicht mehr drauf an und folgt den Erwartungen der Massen…?!

Aber wieso ist das so? Wieso haben ein Großteil der Menschen angst vor Unbekanntem, vor dem, was nicht der Norm entspricht oder den eigenen Idealen widerspricht? Entspringt dieses Handeln aus der Befürchtung, dass auch wir dann ausgeschlossen werden?

Dann sind wir wohl in einem Teufelskreis gefangen.

Jetzt wo ich das alles nochmal gelesen habe, fällt mir auf, eigentlich ist es doch dass, auf was ich hinaus wollte. Denn mit mehr Akzeptanz gäbe es viele Probleme nicht mehr und mit mehr Liebe und Verantwortungsbewusstsein so gut wie keine mehr. Auch die anfangs genannten.

Was denkt ihr darüber?

Pauline

Als du noch ein Kind warst…

Als du noch ein Kind warst und vor nichts angst hattest, dich nicht vor dem Erklimmen des höchsten Baumes oder den tiefsten Gewässern gefürchtet hast, weil du einfach geschwommen bist. Als du dich noch nicht um die Zukunft gekümmert hast und deine größte Sorge die nicht gemachte Hausaufgabe war. Als du einen gute Nacht Kuss bekommen hast und selig einschlafen konntest, voller Neugierde auf den neuen Tag. Und du die Geschenk gesucht hast, die deine Mutter vor Weihnachten, wie immer, in ihrem Schrank versteckt hatte. Als du noch ein Kind warst und den ganzen Tag gespielt hast, beflügelt und leicht. Wenn du mal krank warst und das Gefühl hattest sterben zu müssen, weil du dich so elend in deinem Bettchen gefühlt hast. Als du noch ein Kind warst und von Tag zu Tag leben konntest. Unbeschwert, unbekümmert, sicher und voller Lebensfreude.

Als du noch ein Kind warst und du keine Ahnung vom wahrhaftigen Leben hattest.

Pauline

Wer bin ich? Mein Standpunkt in der Welt.

In der Schule sollten wir vor einiger Zeit ein Essay schreiben, über uns. Wir durften uns eine Fragestellung oder Überschrift aussuchen. Ich habe das Dokument gerade wiedergefunden und finde, dass es gut hier hin passt.

Ich sitze in meinem Bett, mit dem Laptop auf dem Schoß und weiß nicht richtig wie ich anfangen soll. Ich bin siebzehn Jahre alt, lebe mit meiner Mutter und meinem Bruder in *****. Ich kann mich glücklich schätzen was meine Lebensumstände betrifft. In einem Land wie Deutschland geboren zu werden und leben zu können ist ein unfassbar großes Privileg und ein Luxus, den nicht jeder hat.

Mein Standpunkt in der Welt ist klar durch gesellschaftliche Gewohnheiten und Erwartungen geprägt. Ich gehe zur Schule und habe mehr oder weniger einen „Plan“ was ich mit meinem Leben machen möchte. Ich habe Freunde, eine liebende und geliebte Familie, eine Passion die mein Leben füllt. Ich bin kein Außenseiter, werde gemobbt oder ähnliches. Ich werde von meinen Mitmenschen so akzeptiert wie ich bin und konnte mir einen Charakter aufbauen mit dem ich grundsätzlich zufrieden bin. Natürlich wäre ich gerne fleißiger, strebsamer und irgendwie auch sicherer in dem was ich tue, aber prinzipiell bin ich klaglos. Aber hinter der Fassade bröckelt es.

Ich hinterfrage viel. Mir wird immer gesagt, dass ich zu viel nachdenke, mir zu viele Sorgen mache. Ich fühle mich persönlich schuldig, wenn irgendetwas nicht so läuft wie ich es mir vorgestellt habe oder es mir wünsche, wenn es jemandem, den ich liebe, schlecht geht. Durch eine Phase in der es mir sehr schlecht ging, durfte ich viele lernen. Ich bin in Therapie, nehme Psychopharmaka, habe quasi die Abgründe der menschlichen Psyche gesehen. Dadurch fühle ich mich manchmal älter als ich bin. Als hätte ich Dinge erlebt, gefühlt, gedacht und durchgemacht, die die wenigsten in meiner Alter erleben mussten. Das ist ja hoffentlich auch so, aber ich habe dadurch auf viele Situationen und Erlebnisse einfach einen anderen Blickwinkel.

Aber natürlich will ich mich nicht durch die Depression definieren, ich bin nicht die Depression, die Depression ist lediglich ein Teil von mir, den ich mehr oder weniger hinter mir gelassen habe. Trotzdem hat sie mich und mein Denk- und Sichtweise stark geprägt.

Die Frage „Wer bin ich“ ist aber auch schwer kurz zu beantworten, ich habe nämlich selber nicht wirklich eine Ahnung und müsste wahrscheinlich Seiten lange Texte schreiben um das Chaos, welches gerade in meinem Kopf herrscht, zu ordnen und zu einem klaren Ergebnis zu kommen.

Alles in allem fühle ich mich aber gut gewappnet für die Zukunft und denke, dass ich das mit dem „Leben“ schon irgendwie hinkriege. Gewiss nicht ohne Fehler, Niederschläge oder schlechte Phasen, aber immerhin lebe ich. Das ist doch eigentlich das wichtigste. Es geht doch gar nicht darum, WER man ist, sondern DAS man ist!

Der Text hat nicht wirklich einen roten Faden, aber ich stehe hinter den Worten zu 100%. Was denkst du zu diesem Thema? Was ist dein derzeitiger Standpunkt und wie hättest du ihn gerne? Lass mir deine Gedanken gerne in den Kommentaren da!

Pauline

 

Anfang März am U-Bahnsteig

Für Ende März war es außergewöhnlich kalt. Selbst hier auf dem windgeschützten U-Bahnsteig konnte sie ihren Atem noch deutlich sehen. Auch er, der Mann, mitte 60, welcher nicht weit von ihr entfernt stand zitterte merklich. Sie fragte sich wo er wohl hin musste. Wieso er bei diesen unmenschlichen Bedingungen das Haus verließ. Hätte sie ihr Bett nicht verlassen müssen, wäre sie liegen geblieben. Ihr Mantel tropfte, der Schnee hatte sich doch dazu entschieden zu schmelzen. Auf ihrem Schal hatten sich Perlen aus Wasser gebildet. Der Mann sah sie mitleidig an und zwang sich zu einem lächeln. Auch sie schob ihre Mundwinkel, fast unmerklich, nach oben.

“Schule?”

Sie nickte kurz. Jetzt konnte auch sie sich nicht mehr zurück halten.

“Und was treibt sie auf die Straße?”

“Das Geschenk auf die Straße gehen zu können.”

Sie schluckte, er hatte ja recht und plötzlich fühlte sie sich schuldig. Sie war sich dem Gut gesund zu sein und alle Vorteile eines gesunden Körpers nutzen zu können schon bewusst aber sie führte es sich zu selten vor die eigenen Augen. Er hatte sich mittlerweile abgewandt aber sie starrte ihn immer noch an. Sein Mantel wölbte sich leicht über seinem buckligen Rücken und das graue, lichte Haar stand über dem Kragen ab. Sie zitterte immer noch am ganzen Leib aber sie wünschte sich nicht mehr sehnsüchtig in ihr Bett zurück. Sie stand aufrichtiger und sich dem Bewusst was es für ein Geschenk war in der Kälte stehen zu können. Die Bahn fuhr rauschend ein und war von Regentropfen bedeckt. Sie stieg nach dem Mann ein und setzte sich auf einen der freien Plätze. Der Mann stieg irgendwann aus, in der Nähe des Parks. Er verabschiedete sich mit einem lächeln und einem kurzen Nicken. Sie erwiderte die nette Geste und sah ihm nachdenklich nach. Er streifte sich seine Handschuhe über, zog die Kapuze an und verschwand im Schneesturm Richtung Park.

Pauline

Die Zigarette

Das Feuerzeug flammte flackernd auf, als er das Rädchen mit seinem rechten Daumen runter drückte. Er hielt es an die Zigarette und sie glühte auf. Er sog tief ein, während die Zigarette sich mehr und mehr in Asche wandelte. Er hielt die Luft für einen Sekundenbruchteil in seiner Lunge und atmete dann aus. Der Rauch, der aus seinem Mund kam, klebte kurz an seinen Lippen, an seinem ganzen Gesicht fest, es schien als wollte er ihn nicht loslassen. Die Qualmwaben begannen zwischen ihren Gesichtern zu tanzen. Seine Lippen und seine Finger zitterten, waren fast bläulich. Auch aus ihrem Mund kamen Waben, allerdings durch die Kälte verursacht. Die Sonne war schon längst untergegangen und die Lampe über ihnen warf ein kühles Licht auf sie, was den Rauch nur noch gespenstischer aussehen ließ. Sie hasste es. Sie hasste es, dass er seine Gesundheit für das Rauchen aufs Spiel setzte. Und sie hasste es, dass er nicht damit aufhörte, obwohl er ganz genau wusste, wie sehr sie es verabscheute. Aber am meisten störte sie, dass er NIEMALS für sie mit dieser banalen Sucht aufhören würde. Er hing mehr an den Kippen als an ihr. Bei dem Gedanken flackerte das Gefühl, von ihm nicht geliebt zu werden, wie das Feuerzeug vor einigen Sekunden, auf. Das Gefühl hatte sie viel zu oft.

“Sara?”

“Hmh?”

“Willst du?”

Sie nahm die Zigarette und zog an ihr, als würde ihr Leben davon abhängen.

Pauline

Mein Jahr 2017, oder auch: eine Danksagung.

Keine Frage, das letzte Jahr hatte Höhen und Tiefen. Rückblickend bin ich für jedes Erlebnis und jede Stunde unglaublich dankbar. Für die guten Momente sowieso, wer ist das nicht? Aber auch für die Niederlagen, schlechten Tage, denn durch diese bin ich heute die Person die ich nun mal bin.

Gerade am Anfang des Jahre ging es mir noch nicht wieder so gut wie jetzt. Die Therapie lief und im Januar, nach den Weihnachtsferien, bin ich seit langer Zeit wieder in die Schule gegangen. Es war Zweifels ohne kein leichter Start ins neue Jahr, aber ich habe ihn gemeistert.

Ich darf die tollsten (und verrücktesten) Menschen meine Freunde nennen und wir sind zu einer Einheit gewachsen, was mich nicht glücklicher machen könnte. Wir waren und sind immer füreinander da und sind in den meisten Bereichen auf einer Wellenlänge.Wir haben wirklich ein außergewöhnliche Bindung zu einander. Wenn ihr das lest, wisst ihr das ihr gemeint seid! Danke!

Auch in meiner Familie gab es Hoch- und Tiefpunkte, wobei die Tiefpunkte und negativen Ereignisse leider überwiegten. Wirklich näher kann und will ich nicht darauf eingehen um die Personen die ich liebe zu schützen und deren Privatsphäre beizubehalten! Aber auch hier gilt, die Person die uns dieses Jahr so viele Sorgen bereitet hat, weiß, dass ich sie meine. Ich bin wahnsinnig stolz auf dich und was du geschafft hast!

Ich habe meine ZAPs trotz langer Abstinenz im Jahr 2016 erfolgreich bestanden, aber die Schule wurde (besonders im letzten Halbjahr) immer anstrengender. 1 1/2 Jahre noch zum Abitur und das Tempo der aufeinander folgenden Klausuren und Prüfungen wird merklich angezogen… Aber auch das wird schon klappen, ich bin optimistisch!

Ein besonderer Dank und Wertschätzung gilt meiner Mutter und meinem Bruder. Meine Mutter ist die stärkste und tapferste Frau die ich kenne und mein Bruder, naja, der ist sowieso toll!!! Geschwister brauchen doch keinen Grund sich zu lieben, sie tun es einfach, oder?!

Ich konnte tolle und besondere Menschen kennenlernen, mich weiter entwickeln und wachsen. Ich habe Erfahrungen gesammelt, Situationen gemeistert und wundervolle Momente erlebt! Seit langer Zeit kann ich sagen, dass ich mich auf das neue Jahr und was es für mich bereit hält, freue!

Auf ein buntes Jahr 2018!

Pauline

Du bist…

Du bist nicht deine Größe, noch dein Gewicht oder dein Aussehen. Du bist nicht deine zu große Nase, oder deine zu kleinen Lippen. Du bist nicht die Zahl, die dein Bankkonto aufweist oder wie viele Freunde du auf Facebook hast. Du bist nicht deine Familie in die du geboren wurdest oder der Name auf deinem Personalausweis.

Du bist all das, an dass du glaubst. Du bist die Werte, die du vertrittst und die Nachrichten die du weitergibst. Du bist die Meinung für die du einstehst und die Worte die du sprichst. Du bist dein Lächeln auf den Lippen und deine Stimme, wenn du die drei Worte sagst. Du bist die Lieder die du auswendig kannst und die Fotos, die an deinen Wänden hängen. Du bist der erste Gedanke am Morgen und der letzte am Abend, den du hast. Du bist die Bücher die du liest, die Menschen die du liebst und die Zukunft von der du träumst. Du bist jede Träne die du vergießt, jeder schmerzhafte Moment und jeder schwerelose Augenblick. Du bist jede Erinnerung die du hast, jedes Ziel das du bestrebst und die Träume deiner Nacht. Du bist die Zeilen die du schreibst und das Leben das du lebst.

Pauline

Brief an mich

Ich wünsche mir zu reisen, zu unberührten Orten deines Geistes.

Zu den wildesten, phantasievollsten Dschungel deiner bodenlosen Träume.

Mit dir deine Ideenberge besteigen und die besten umsetzen.

Durch Ozeane deiner Gedanken und durch deine dunkelsten und bedrückendsten Stürme segeln.

Hoch und runter, durch dick und dünn, bis an dein sehnsüchtig gestecktes Ziel wandern.

Geduldig Auswege und Lösungen finden, wenn du nochmal nicht weiter wissen solltest.

Dich mit einem Seil aus Zuspruch und Zuversicht aus dem schwarzen, unendlich scheinendem Loch, raus ziehen.

Liebes hoffnungslose Ich, lass mich ein demütiger, aufrichtiger und loyaler Gefährte sein.

In Liebe, dein gesundes Ich.

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Ein kleiner Brief, an den ich in dunklen Zeiten zurück denken kann um mich daran zu erinnern, dass ich mich auf mein innerstes, wahres Ich immer verlassen kann, es mich unterstützt und auf mich wartet.

Pauline

Wie das Schreiben mir vielleicht das Leben retten konnte

Was nun folgt, habe ich geschrieben als ich noch tief in der Depression gesteckt habe. Das ist sehr persönlich und nicht leicht ab zu tippen. Ich habe Seitenweise geschrieben, weil sich der ganze Müll und das Gedankenchaos sonst nur angestaut hätte. Ich habe das Heftchen, in das ich geschrieben habe, gerade erst wieder gefunden und bin ein bisschen erschrocken. Wirklich klar kann ich mich nämlich, bei den meisten Sachen, nicht mehr an das Verfassen erinnern. In dieser Zeit war es ein Ventil, welches ich dringend nötig hatte. Vielleicht war es sogar Lebenswichtig…

Wie bin ich hier hingekommen?

Ich sitze auf dem Sofa im Wohnzimmer, morgens um fünf Uhr und ich bin allein. (Faktisch bin ich nicht alleine, unsere Katzen haben sich an meine Füße gekuschelt, aber ich bin einsam, so einsam habe ich mich noch nie gefühlt. Auch nicht in letzter Zeit, als es schlimmer wurde. Alleine und einsam sein sind für mich ohnehin zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Alleine ist man, wenn sich kein anderer Mensch in der Nähe befindet, aber einsam kann man auch in einem Stadion, gefüllt mit anderen, sein.) Einsam mit meinen schweren Gedanken und den unzähligen “Was wäre wenn…” in meinem Kopf. Depressionen, ein Kampf gegen sich selber. Geschlafen habe ich noch nicht und im Bett zu liegen hielt ich nicht mehr aus. Es hat sich an gefühlt, als würden meine Lungen kollabieren. Als würde ich ersticken und alle Last der Welt einzig und allein auf meinen Schultern liegen. Ich war schon immer empathisch was ich eigentlich für eine gute Eigenschaft hielt, aber ich denke ich bin zu einfühlsam. Gedankensplitter haben meinen Körper, wie schon so oft, durchstochen. Die Erinnerungen an meinen geliebten Opa haben mich in einer erneuten, ungewöhnlich heftigen, Welle überrannt. Mein Bruder ist gerade mit Freunden nach Hause gekommen. Sie waren feiern und sind angetrunken. Ich wünschte ich wäre jetzt glücklich und müde wie sie nach Hause gekommen, könnte ins Bett fallen und nach Sekunden schlafen. Müde bin ich zwar aber an Schlaf ist trotzdem nicht zu denken. Mein Herz hat sich mittlerweile beruhigt und meine Lungenflügel können sich wieder normal füllen. Aber aufstehen kann ich trotzdem nicht. Eine unsichtbare Kraft hält mich immer noch nach unten, wie Gewichte die mich runter ziehen und auf mir liegen. Das ist wohl die Last der Welt, die ich so deutlich spüren kann. Sonst spüre ich nichts. Noch nicht einmal Trauer über meinen Zustand. Nur Schwere die mich mein Leben nicht mehr leben lässt. Mir wurde meine Seele und alles menschliche genommen.

Vor einigen Wochen habe ich es erzählt. Ich hielt das alles nicht mehr aus. Ich bin zusammengebrochen, nach knapp 1 1/2 Jahren bin ich unter der Schwere, die meine Depression angenommen hatte, eingeknickt. Der ständige Regen in meinem Kopf wurde zu laut. Es viel mir schwer, ich wollte nie einer von diesen Menschen sein. Depressionen sind in der heutigen Gesellschaft doch schon als Modekrankheit verschrien. Depressionen sind so unfassbar häufig geworden. Und ich bin eines der Opfer.

Mittlerweile kann ich zum Glück sagen, dass ich meine Seele und das was mich als Menschen ausmacht, wieder gefunden habe. Vielleicht klingt das in deinen Ohren albern, oder sogar lächerlich, aber so sah meine Gefühlswelt vor circa acht Monaten noch aus. Es war, als wären die Dinge, nachdem ich sie niedergeschrieben habe, in meinem Kopf nicht mehr so präsent gewesen. Ich wusste, dass ich, mein Geist, nicht weinen muss, sondern auf dem Papier bluten musste.

P.s.: Heute ist der sechste Oktober. Vor genau 2 1/2 Jahren ist mein Opa gestorben.

Pauline

Was mich meine Depression gelehrt hat

I’ve never met a strong person with an easy past.

Depressionen sind scheiße – keine Frage. Zumindest so lange man in einer steckt. Wenn es einem wieder besser geht, die Wunden geheilt sind und man getrost an diese Zeit zurück denken kann, kommen (mir auf jeden Fall) auch positive Dinge in den Sinn. Um denen, welche gerade noch eine schreckliche Zeit durchmachen, vielleicht Mut zu machen, kommt hier eine Aufzählung dieser Dinge, die Du hoffentlich auch bald wieder erkennen kannst:

  1. Dankbarkeit – Ich nehme Dinge anders wahr. Ich bin dankbar, dass es mir wieder gut geht und bin nicht mehr so leicht runter zu kriegen, da ich weiß was es heißt am Boden zu sein.
  2. Empathie – Nachdem man solch eine Zeit überstanden hat, kann man sich gut in Leute hinein versetzen, die gerade etwas ähnliches erleben. Ich kann nachvollziehen oder zumindest erahnen wie es in ihnen geht. Das hilft mir im Umgang mit Mitmenschen enorm.
  3. Wertschätzung – Ich schätze jeden Tag an dem ich aufwache, aufstehen kann und den Tag ohne außerordentliche Anstrengungen meistern kann.
  4. Bewusstsein – Ich lebe bewusster, genieße schöne Momente, nehme diese intensiver war.
  5. Kampfgeist – Gezwungenermaßen habe ich gelernt zu kämpfen, ich bin stärker und ‘härter im Nehmen’ geworden.
  6. Selbstkenntnis – Ich weiß jetzt, wann es mir reicht, weiß wann ich mir was zutrauen kann und wann ich mich besser zurückhalten sollte.
  7. Stolz – Ich bin unglaublich stolz auf mich, dass ich das, im wahrsten Sinne des Wortes, überlebt habe.

Auch wenn das “nur” sieben Punkte sind, sind es sehr gewichtige Dinge. Was ich persönlich noch gelernt habe, ist, dass der Tod etwas ist, dass den Zurückgebliebenen zustößt.

Pauline