Ten sips

We had to write a short story in our English lesson.

So I did.

It has to have something to do with India… My story doesn’t really have something to do with India… But…

Here it is.

Ten sips. Ten sips are all they have left. But they did not know.

My cigarette is more ash than tobacco and her voice is calm. My whole body is shaking and the hand on my cheek is cold and sweaty. My heart beats faster than it should.

Nine.

I sit on the bed and Manila stands in front of me. The lighter lay beside us on the floor, it is still hot and the suitcase is packed and ready to go. The room is hardly lit and Manilas tears run upon her nose where they met her lips and then drops off her chin. I also cry. My tongue meets my tears and the salty, typical taste of them filled my mouth.

Eight.

I know that it was not right but we were young and naive and simply in love. I was sad and desperate and had no clue what our future holds for us. Manila goes to the desk, sits down and takes a piece of paper out of the drawer. A pen lays on the desk already.

Seven.

She begins to write. Her long, black hair falls over her shoulder and she tries to push it away, but it did not hold and soon it lays on the paper again. Her hand shakes when she writes faster and faster. Confident and determined. Six.

I just look at her. Her legs are crossed and her left one is restless and shakes nervously. I can not resist her.

Five.

When she is done with writing, she starts to reread it and correct some words. It begins to rain and the raindrops drum against the small window. I start to study the path the small drops take. They are restless just like Manilas leg seconds before and inexorable. They are free and don’t have rules they must follow.

The door slams.

Four.

I sit there for half an hour. Manila is gone. Her smell fills the whole room and her perfume lays in the air and mixes with the smell of the whiskey. My glass and the whiskey is warm, the ice cubes are melted. When I stand up and stumble slowly to the desk I’m nervous and I try to imagine what she wrote. My hands are sweaty and my brain is nearly empty. I know, I can’t stop whatever will happen and undo what she wants to tell me. My inner voice faltering starts to read. Calm and fast at the same moment.

My dearest Alana,

I’m unbelievably sorry for what I have to write now, but I know it’s the best for both of us. It wasn’t right what we’ve done all these countless years. I can’t ruin the name of my family any longer. My Dad’s reputation has suffered and I can not take this anymore. This is just too much to ignore.

Three.

Your drug addiction was always a huge weight and you know it had a big impact on me, on our life. It really bothered and encumbered me. The way you treat me is not the way you should treat someone
you love. I respect myself enough to say goodbye to you. I tried but I cannot go on like this: it is too painful for me. I can not resist saying, that I hate it. I hate what we have done to each other.

We have to be realistic when we look at our potential future together. After we had talked about our plans for
the future, it became obvious to me, and probably to you too, that our futures just don’t align.

It is best we part now and learn to live without each other instead of going on together knowing it will someday end. I hate that it has to be this way, but I can’t disregard my family, hopes, and dreams for the future. It is too much to bear. We have to end things so we can start healing our hearts and move on with our lives. This isn’t easy for me, and I can’t imagine it’s easy for you either, but this is the way it has to be. Even though it hurts right now, this is what is best for both of us. I really hope you find happiness after this tragedy.

I loved you. I love you. I’ll always love you.

Sorrowfully, M.

I swallowed. I puked. I drank.

Two.

I reread the letter. I screamed, I cried, I felt sick. I hate it. I hate what our society did to us. I hate what Manila felt she had to do. I hate what her family made her do. I hate what she did. I hate what she is going to do. I hate what we were. But mostly, I hate that I understand her. We. There is no longer a “we”. There is just an “I” and a “she”. We are no longer together. We are no longer an invincible team. She is still going to be invincible but I will not be. I was only as strong as she was. I am a little helpless sheep under thousands of wolves in a city named Bumbai.

One.

I go to the balcony. The rain had stopped and the storm has come. The wind is rough and relentless. I stand on the little wall which separates me and the abyss. It is deep. I lived on the seventh floor of a hotel. Lived, past tense. Now I just exist. Without her, everything seems ridiculously final, hope- and futureless. Death seems like a legitimate alternative.

Zero.

Pauline

Der Geruch von Angst

Du stehst in einem Zimmer, die Kälte, die über deine Haut streicht spürst du deutlich und langsam breitet sich auf deinem ganzen Körper Gänsehaut aus. Du riechst den Schweiß, den Geruch von Angst und das Zittern der anderen lässt die Luft um dich förmlich vibrieren. Auch du zitterst, aber nicht aus Angst sondern wegen der Anspannung. Der Geschmack von Metall und beißenden Chemikalien scheint dir den Mund zu verätzen und du hast das Gefühl dich jeden Moment übergeben zu müssen.  Die anderen atmen laut und es fühlt sich so an, als würde das Gemisch aus schnauben und hecheln in deine Gehörgänge kriechen.Sie bewegen sich in Zeitlupe und kleine Spuckefäden verlassen beim Sprechen deinen Mund. Deine Haare kleben an deiner Stirn und sind vom Wasser noch tropfnass. In deinen Augen liegt die Wut und die Verzweiflung über die Situation, das Bedauern der, dich bietenden, Szenerie.

Die Angst scheint auch dich wie eine schwarze Wolke einzunebeln. Aus ihren Gesichtern spricht die pure Panik und fast hast du Mitleid mit ihnen, als du die Waffe hebst und abdrückst.

Pauline

Anfang März am U-Bahnsteig

Für Ende März war es außergewöhnlich kalt. Selbst hier auf dem windgeschützten U-Bahnsteig konnte sie ihren Atem noch deutlich sehen. Auch er, der Mann, mitte 60, welcher nicht weit von ihr entfernt stand zitterte merklich. Sie fragte sich wo er wohl hin musste. Wieso er bei diesen unmenschlichen Bedingungen das Haus verließ. Hätte sie ihr Bett nicht verlassen müssen, wäre sie liegen geblieben. Ihr Mantel tropfte, der Schnee hatte sich doch dazu entschieden zu schmelzen. Auf ihrem Schal hatten sich Perlen aus Wasser gebildet. Der Mann sah sie mitleidig an und zwang sich zu einem lächeln. Auch sie schob ihre Mundwinkel, fast unmerklich, nach oben.

“Schule?”

Sie nickte kurz. Jetzt konnte auch sie sich nicht mehr zurück halten.

“Und was treibt sie auf die Straße?”

“Das Geschenk auf die Straße gehen zu können.”

Sie schluckte, er hatte ja recht und plötzlich fühlte sie sich schuldig. Sie war sich dem Gut gesund zu sein und alle Vorteile eines gesunden Körpers nutzen zu können schon bewusst aber sie führte es sich zu selten vor die eigenen Augen. Er hatte sich mittlerweile abgewandt aber sie starrte ihn immer noch an. Sein Mantel wölbte sich leicht über seinem buckligen Rücken und das graue, lichte Haar stand über dem Kragen ab. Sie zitterte immer noch am ganzen Leib aber sie wünschte sich nicht mehr sehnsüchtig in ihr Bett zurück. Sie stand aufrichtiger und sich dem Bewusst was es für ein Geschenk war in der Kälte stehen zu können. Die Bahn fuhr rauschend ein und war von Regentropfen bedeckt. Sie stieg nach dem Mann ein und setzte sich auf einen der freien Plätze. Der Mann stieg irgendwann aus, in der Nähe des Parks. Er verabschiedete sich mit einem lächeln und einem kurzen Nicken. Sie erwiderte die nette Geste und sah ihm nachdenklich nach. Er streifte sich seine Handschuhe über, zog die Kapuze an und verschwand im Schneesturm Richtung Park.

Pauline

Die Zigarette

Das Feuerzeug flammte flackernd auf, als er das Rädchen mit seinem rechten Daumen runter drückte. Er hielt es an die Zigarette und sie glühte auf. Er sog tief ein, während die Zigarette sich mehr und mehr in Asche wandelte. Er hielt die Luft für einen Sekundenbruchteil in seiner Lunge und atmete dann aus. Der Rauch, der aus seinem Mund kam, klebte kurz an seinen Lippen, an seinem ganzen Gesicht fest, es schien als wollte er ihn nicht loslassen. Die Qualmwaben begannen zwischen ihren Gesichtern zu tanzen. Seine Lippen und seine Finger zitterten, waren fast bläulich. Auch aus ihrem Mund kamen Waben, allerdings durch die Kälte verursacht. Die Sonne war schon längst untergegangen und die Lampe über ihnen warf ein kühles Licht auf sie, was den Rauch nur noch gespenstischer aussehen ließ. Sie hasste es. Sie hasste es, dass er seine Gesundheit für das Rauchen aufs Spiel setzte. Und sie hasste es, dass er nicht damit aufhörte, obwohl er ganz genau wusste, wie sehr sie es verabscheute. Aber am meisten störte sie, dass er NIEMALS für sie mit dieser banalen Sucht aufhören würde. Er hing mehr an den Kippen als an ihr. Bei dem Gedanken flackerte das Gefühl, von ihm nicht geliebt zu werden, wie das Feuerzeug vor einigen Sekunden, auf. Das Gefühl hatte sie viel zu oft.

“Sara?”

“Hmh?”

“Willst du?”

Sie nahm die Zigarette und zog an ihr, als würde ihr Leben davon abhängen.

Pauline

Bücher, die mein Leben verändert haben | Favoriten!

Enthält unbezahlte Werbung – Nennung von Büchern

Words have the power to change us.

– Cassandra Clare

Bücher – Zufluchtsort und Ausbruchsmöglichkeit aus dem immer gleich währendem Alltag. Nach meinem letzten Beitrag Faszinierende Filme, Lieder und Zitate | Favoriten! habe ich Blut geleckt und wollte dir noch mehr meiner Lieblinge zeigen. Die folgenden Bücher haben mich so sehr beeindruckt und geprägt, dass sie mein Leben auf unterschiedliche Art und Weise ändern konnten. Ausgestattet mit Zitaten aus den Büchern folgt nun die Liste.

Jugendbücher:

Wendy Mass – Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst. Ein Buch über den Sinn des Lebens und wie diese aus den Augen zweier Kinder aussieht. Der 13 jährige Jeremy hat eine Kiste von seinem verstorbenem Vater bekommen, welche er an seinem kommendem Geburtstag öffnen soll und die den Sinn des Lebens beinhaltet. Es gibt allerdings ein Problem: die Kiste ist durch vier Schlösser gesichert und die passenden Schlüssel sind wie vom Erdboden verschwunden. Fest entschlossen der Anweisung, dass er die Kiste an seinem Geburtstag öffnen soll, zu folgen, erlebt er mit seiner Freundin Lizzy ein unvergessliches Abenteuer, welches die beiden quer durch New York führt. Es klingt wie ein Buch für Kinder, aber um die Nachricht zu verstehen, ist man wohl nie alt genug. Das Ende ist überraschend, lehrreich und irgendwie auch rührend. Ein Buch, dass nicht nur Jugendliche sondern auch Erwachsene gelesen haben sollten.

“Bis vor Kurzem dachte ich, es ist der Tod, der dem Leben Sinn gibt – dass das Wissen um ein Ende uns anspornt, das Leben zu nutzen, solange wir es haben. Aber ich habe mich geirrt”.

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John Green – Looking for Alaska. Es war doch quasi vorprogrammiert, dass der Gute John Green hier auftauchen musste. “Eine wie Alaska” habe ich vor Jahren mit meinem Bruder und meiner Mutter auf CD gehört. Die englische Version “Looking for Alaska” habe ich vor ziemlich genau einem Jahr gelesen. Es war wahrscheinlich keine gute Idee das Buch während meiner Depression zu lesen, da es schon bedrückend sein kann. Ein Junge, mit dem Hang zu letzten Worten, geht sein erstes Jahr auf ein Internat, findet Freunde, gute und echte Freunde, hat sich schnell einen Kreis aufgebaut, in dem er sich wohl fühlt. Er hat seinen ersten Kontakt mit Alkohol, Zigaretten und Mädchen. Als Alaska, ein Mädchen aus der Gruppe einen tödlichen Autounfall erleidet, müssen sich die Freunde vor die Frage stellen, ob es Selbstmord war. Eine Geschichte über das Leben, den Tod, Schuldgefühle und immer auf der Spur des “großen vielleicht”. Das war das erste Buch in dem ich Sätze unterstrichen und mir Seiten markiert habe, einfach weil ich sie nicht vergessen will und sie so unglaublich Gewichtig sind.

“You spend your whole life stuck in the labyrinth, thinking about how you’ll escape it one day, and how awesome it will be, and imagining that future keeps you going, but you never do it. You just use the future to escape the present”.

Biographien und Sachbücher:

Stephen King – Das Leben und das Schreiben. Meine Affinität zu Stephen King habe ich, glaube ich, schon mal erwähnt. “Das Leben und das Schreiben” beinhaltet eine Biographie, einen Teil über das Schreiben als Tätigkeit und einen über die Bedeutung des Schreibens selber. Das war wie ein gefundenes Fressen für mich… Mehr über den Inhalt kann ich, logischer Weise, nicht schreiben, da es unmöglich ist das alles kurz zusammen zu fassen. Das Buch ist für alle etwas die gerne schreiben und begeisterte King-Leser sind. Für alle die einen Blick in Kings Kopf werfen möchten.

Schreiben ist Magie, ist das Wasser des Lebens, genau wie jede andere kreative Kunst auch. Das Wasser ist umsonst. Trinket also. Trinket und erquicket euch.

DSC04493Ayaan Hirsi Ali – Mein Leben, meine Freiheit. Als ich in der achten Klasse war, stand das Schreiben einer Biographie auf dem Plan. Ich entschied mich für Ayaan Hirsi Ali. Ayaan wer? fragst du dich jetzt vielleicht. Sie ist Politikerin, Bestsellerautorin, war Europäerin des Jahres 2006, Nomadin und Flüchtling. Aber vor allem ist sie eines: Kritikerin des Islams. Aufgewachsen als unterdrücktes und gepeinigtes Mädchen in Somalia und heute für viele muslimische Frauen ein Symbol für Freiheit – ihr Leben ist so beeindruckend und gruselig zur selben Zeit. Ich war dreizehn oder vierzehn Jahre alt, als ich das Buch gelesen habe und wusste danach mein Leben in Deutschland sehr zu schätzen. Ein Buch, das den Islam erklärt, verstehen lässt und die Schattenseiten aufweist. Der erschreckende Alltag eines Mädchens, dass in einer muslimischen Familie und einem muslimischen Land aufwachsen musste.

Toleranz gegenüber Intoleranten ist nichts anderes als Feigheit.

Poetry:

Rupi Kaur – milk and honey. Gibt es ein Buch das den Stempel “Depressiv” mehr verdient als das? Ich wage es zu bezweifeln. Nichtsdestotrotz ist es wunderschön. Kann Poesie jemals nicht schön sein? Ist dieses Buch Papierverschwendung? Jap, definitiv. Die Seiten sind weniger als zur Hälfte beschrieben, aber immerhin gibt es kleine Zeichnungen. Es ist ein Buch das, vor allem in Amerika, wohl das Vorzeigebuch ist, wenn es um Poetry geht.

my favorite thing about you is your smell

you smell like earth, herbs, gardens, a little more human than the rest of us

Amanda Lovelace – the princess saves herself in this one. Ok, wir haben einen neuen Kandidaten für den ersten Platz gefunden. “milk and honey” und dieses hier sind sich zugegebener Maßen sehr ähnlich. Der gleiche Verlag, die gleiche Haptik und dasselbe Thema, hier gibt es aber keine Illustrationen. Trotzdem ist der Schreibstil und die Herangehensweise an das Thema unterschiedlich. Ich finde es einfach wahnsinnig schwierig Poesie zu beschreiben. Sie sprich doch für sich selbst, oder?

grief chung to her like an old, itchy, faded, ill-fitting hand-me-down dress.

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Rupi Kaur richtet sich in “milk and honey” öfter an andere Personen oder schreibt über sie, während Amanda Lovelace in “the princess saves herself in this one” scheinbar eher über sich selber schreibt.

Ich hoffe ich konnte dir neue Bücher vorstellen und dich inspirieren eines zu lesen!?

Hast du noch irgendwelche Bücher die du mir empfehlen kannst? Ich lese eigentlich alles, außer langweilige Liebesschnulzen wie Moyes, Pilcher und co.

P.s.: ich wünsche dir einen schönen ersten Advent!

Pauline

 

 

Ein kalter Hauch

Sie war sich sicher. Das war der letzte Abend der ihnen blieb. Der einzige Abend an dem sie noch mit ihm sprechen, seine warme Hand halten, ihm Fragen stellen konnte. Der letzte Abend an dem sie ihm sagen konnte wie sehr sie ihn liebte und wie sehr sie ihn vermissen wird, was er sie alles gelehrt hat. Sie ging die kahlen Krankenhausflure entlang, an etlichen Türen, leeren Betten, die auf Patienten zu warten schienen, und an eilig vorbei hetzenden Krankenschwestern und Ärzten vorbei. Niemand achtete auf sie. Niemand wunderte sich über ihr Dasein. Schließlich war sie in den letzten Tagen täglich auf die Intensivstation gekommen um ihn zu besuchen.

An seiner Tür angekommen, klopfte sie zögerlich. Automatisch machte sie ihr Zeichen: dockdock, dock. Das hatten sie in ihrer Kindheit so vereinbart und plötzlich konnte sie den Apfelkuchen wieder riechen. Den hatten er und sie manchmal gemeinsam gebacken. Ihre Mutter hatte sich immer überschwänglich gefreut, auch wenn er meistens ein bisschen verbrannt war. Sie betrat das Zimmer, er sah zum Fenster bevor er seinen Kopf in ihre Richtung neigte. Seine Augen sahen sie an, aber er nahm sie nur noch verschwommen wahr, wie in einem Traum. Eine heiße Träne lief an ihrer Wange herunter und auch seine Augen glänzten ungewöhnlich wässrig. Er weiß es, dachte sie, auch er weiß, dass er heute sterben muss. Wie schrecklich es sein muss, auf den Tod zu warten. Sie zog einen Stuhl neben sein Bett, setzte sich, ohne zu sprechen. Sie nahm vorsichtig seine Hand, hatte angst ihm weh zu tun und legte zögerlich den Kopf auf seine Brust. Sie fühlte den Puls am Handgelenk und konnte sein Herz schlagen hören. Er küsste sie auf den Hinterkopf und streichelte mit seinem Daumen ihren Handrücken. Sie wollte ihm sagen wie sehr sie ihn liebt aber der Kloß in ihrem Hals war zu groß. Sie fing leise an zu schluchzen, sie schmeckte die salzigen Tränen, fühlte sich hilflos und machtlos. Sie blieb noch etwas liegen, bis sie einen kalten Hauch spürte und aufstehen wollte um das Fenster zu schließen. Als sie sich erhob und ihn ansah, merkte sie das er nicht mehr atmete. Seine Augen blickten starr an die Decke. Es war schon dämmrig, der Himmel war in ein warmes rot getaucht und ein Schmetterling schwirrte durch die Luft.

Kurzgeschichte #3

Pauline

Nicht zu findende Worte 

Sie saß an ihrem Schreibtisch, die Füllerkappe hielt sie in der rechten und den Füller selber in der linken Hand. Das Blatt auf dem sie angefangen hatte zu schreiben lag zerknüllt vor ihr. Sie griff danach und warf es in den bereits halb gefüllten Papierkorb, anschließend nahm sie sich ein neues aus der Schublade. Die leere des Blattes schien ihr ins Gesicht zu springen. Ihre Haare fielen ihr ins Gesicht, sie warf sie hinter ihre Schulter und setzte den Stift erneut an. Ihr eingegipster Fuß fing wieder an zu pochen, die Wirkung der Schmerztablette ließ nach. Sie dachte an den Unfall und an das ohrenbetäubende Geräusch als das Auto und das Fahrrad aufeinander prallten. Sie wischte sich die Tränen mit ihrem Handrücken von den Wangen, hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Sie suchte Worte die in dieser Situation unmöglich zu finden schienen. Worte, die sie an die Eltern richten konnte, die ausdrückten das sie sich das was passiert war niemals verzeihen konnte. Sie dachte, dass wenn sie nicht betrunken in ihr Auto gestiegen wäre, der Junge noch leben würde. Der Junge dessen Eltern jetzt keine Eltern mehr waren. Sie sah aus dem Fenster, es hatte begonnen zu regnen, nicht nur draußen, auch in ihrem innersten hatte es begonnen zu regnen.

Kurzgeschichte #2

Pauline

Der Anschlag

Natürlich bekommt man es irgendwie mit. In unregelmäßigen Abständen springen einem die Schlagzeilen ja förmlich ins Gesicht. Aber man denkt nicht, dass es die eigene Heimatstadt treffen könnte.
Ich sehe eine Frau in Kölns Einkaufsstraßen die in die entgegengesetzte Richtung läuft. Sie fängt plötzlich an zu schreien, blickt erstarrt in meine Richtung und als ich ihrem Blick folge sehe ich was sie hat aufschreien lassen. Ein Mann, mitte 30 steht vielleicht zehn Meter hinter mir. Nichts außergewöhnliches, wenn da nicht der Sprengstoffgürtel wäre, der seine Hüften ziert. Ich schließe meine Augen kurz und denke wenige Sekunden das ich gleich aufwachen werde und alles nur ein Traum war. Doch als ich sie wieder öffne steht er da, mit Hass erfüllten Augen blickt er in die umstehende Menschenmasse. Auch ich blicke mich um und der natürliche Überlebensinstinkt will mich dazu drängen weg zu rennen. Völlig logisch aber in der Situation schien es unmöglich sich zu bewegen. Die Angst vor dem was folgen wird hat mich regelrecht gelähmt. Ich drehe mich um und sehe in die Menge, entdecke einen weiteren Mann mit auffälligem Gürtel. Plötzlich wird es still, wie in Zeitlupe, in Zuckerwatte gehüllt oder in einer Seifenblase schwebend fühlt sich dieser Moment an. Und dann zündeten sie die Gürtel und es folgte das schreien, vielleicht war das das Schlimmste. Dieses angsterfüllte, nach Leben bettelnde Schreien. Der Schmerz, den ich hätte spüren müssen, wurde vom freigesetzten Adrenalin gehemmt. All das geschah in wenigen Sekunden, aber in dem Moment fühlte es sich wie Stunden an.
Ich lag auf dem Asphalt Kölns größter Einkaufsstraße, umringt von Körperteilen, von Menschen die diese verloren haben, von verletzten Körpern und von zerrissenen Leichen, die unmittelbar neben den Attentätern gestanden haben mussten.

Kurzgeschichte #1

Pauline