Der Anschlag

Natürlich bekommt man es irgendwie mit. In unregelmäßigen Abständen springen einem die Schlagzeilen ja förmlich ins Gesicht. Aber man denkt nicht, dass es die eigene Heimatstadt treffen könnte.
Ich sehe eine Frau in Kölns Einkaufsstraßen die in die entgegengesetzte Richtung läuft. Sie fängt plötzlich an zu schreien, blickt erstarrt in meine Richtung und als ich ihrem Blick folge sehe ich was sie hat aufschreien lassen. Ein Mann, mitte 30 steht vielleicht zehn Meter hinter mir. Nichts außergewöhnliches, wenn da nicht der Sprengstoffgürtel wäre, der seine Hüften ziert. Ich schließe meine Augen kurz und denke wenige Sekunden das ich gleich aufwachen werde und alles nur ein Traum war. Doch als ich sie wieder öffne steht er da, mit Hass erfüllten Augen blickt er in die umstehende Menschenmasse. Auch ich blicke mich um und der natürliche Überlebensinstinkt will mich dazu drängen weg zu rennen. Völlig logisch aber in der Situation schien es unmöglich sich zu bewegen. Die Angst vor dem was folgen wird hat mich regelrecht gelähmt. Ich drehe mich um und sehe in die Menge, entdecke einen weiteren Mann mit auffälligem Gürtel. Plötzlich wird es still, wie in Zeitlupe, in Zuckerwatte gehüllt oder in einer Seifenblase schwebend fühlt sich dieser Moment an. Und dann zündeten sie die Gürtel und es folgte das schreien, vielleicht war das das Schlimmste. Dieses angsterfüllte, nach Leben bettelnde Schreien. Der Schmerz, den ich hätte spüren müssen, wurde vom freigesetzten Adrenalin gehemmt. All das geschah in wenigen Sekunden, aber in dem Moment fühlte es sich wie Stunden an.
Ich lag auf dem Asphalt Kölns größter Einkaufsstraße, umringt von Körperteilen, von Menschen die diese verloren haben, von verletzten Körpern und von zerrissenen Leichen, die unmittelbar neben den Attentätern gestanden haben mussten.

Kurzgeschichte #1

Pauline

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