Wer bin ich? Mein Standpunkt in der Welt.

In der Schule sollten wir vor einiger Zeit ein Essay schreiben, über uns. Wir durften uns eine Fragestellung oder Überschrift aussuchen. Ich habe das Dokument gerade wiedergefunden und finde, dass es gut hier hin passt.

Ich sitze in meinem Bett, mit dem Laptop auf dem Schoß und weiß nicht richtig wie ich anfangen soll. Ich bin siebzehn Jahre alt, lebe mit meiner Mutter und meinem Bruder in *****. Ich kann mich glücklich schätzen was meine Lebensumstände betrifft. In einem Land wie Deutschland geboren zu werden und leben zu können ist ein unfassbar großes Privileg und ein Luxus, den nicht jeder hat.

Mein Standpunkt in der Welt ist klar durch gesellschaftliche Gewohnheiten und Erwartungen geprägt. Ich gehe zur Schule und habe mehr oder weniger einen „Plan“ was ich mit meinem Leben machen möchte. Ich habe Freunde, eine liebende und geliebte Familie, eine Passion die mein Leben füllt. Ich bin kein Außenseiter, werde gemobbt oder ähnliches. Ich werde von meinen Mitmenschen so akzeptiert wie ich bin und konnte mir einen Charakter aufbauen mit dem ich grundsätzlich zufrieden bin. Natürlich wäre ich gerne fleißiger, strebsamer und irgendwie auch sicherer in dem was ich tue, aber prinzipiell bin ich klaglos. Aber hinter der Fassade bröckelt es.

Ich hinterfrage viel. Mir wird immer gesagt, dass ich zu viel nachdenke, mir zu viele Sorgen mache. Ich fühle mich persönlich schuldig, wenn irgendetwas nicht so läuft wie ich es mir vorgestellt habe oder es mir wünsche, wenn es jemandem, den ich liebe, schlecht geht. Durch eine Phase in der es mir sehr schlecht ging, durfte ich viele lernen. Ich bin in Therapie, nehme Psychopharmaka, habe quasi die Abgründe der menschlichen Psyche gesehen. Dadurch fühle ich mich manchmal älter als ich bin. Als hätte ich Dinge erlebt, gefühlt, gedacht und durchgemacht, die die wenigsten in meiner Alter erleben mussten. Das ist ja hoffentlich auch so, aber ich habe dadurch auf viele Situationen und Erlebnisse einfach einen anderen Blickwinkel.

Aber natürlich will ich mich nicht durch die Depression definieren, ich bin nicht die Depression, die Depression ist lediglich ein Teil von mir, den ich mehr oder weniger hinter mir gelassen habe. Trotzdem hat sie mich und mein Denk- und Sichtweise stark geprägt.

Die Frage „Wer bin ich“ ist aber auch schwer kurz zu beantworten, ich habe nämlich selber nicht wirklich eine Ahnung und müsste wahrscheinlich Seiten lange Texte schreiben um das Chaos, welches gerade in meinem Kopf herrscht, zu ordnen und zu einem klaren Ergebnis zu kommen.

Alles in allem fühle ich mich aber gut gewappnet für die Zukunft und denke, dass ich das mit dem „Leben“ schon irgendwie hinkriege. Gewiss nicht ohne Fehler, Niederschläge oder schlechte Phasen, aber immerhin lebe ich. Das ist doch eigentlich das wichtigste. Es geht doch gar nicht darum, WER man ist, sondern DAS man ist!

Der Text hat nicht wirklich einen roten Faden, aber ich stehe hinter den Worten zu 100%. Was denkst du zu diesem Thema? Was ist dein derzeitiger Standpunkt und wie hättest du ihn gerne? Lass mir deine Gedanken gerne in den Kommentaren da!

Pauline

 

11 Kommentare zu „Wer bin ich? Mein Standpunkt in der Welt.

  1. Schöner Text von dir! So schnell kann ich auf deine Frage jetzt gar nicht antworten.
    Ich bin auf jeden Fall neugierig was das Leben noch so bringt.

    LG aus Norwegen
    Ina

  2. Liebe Pauline,

    ein toller Post mit ziemlich viel Gefühl und Ehrlichkeit, ich denke die Frage: Wer bin ich?! ist generell schwierig zu beantworten.
    Ich z.B. fange dieses Jahr eine Umschulung an, da ich als Jugendliche schnell Geld verdienen musste, weil es zuhause nicht meht schön war. Da trifft man dann doch gut und schnell falsche Entscheidungen.
    Mittlerweile kriege ich aber die Kurve und lege die Weichen nochmal neu! 😉

    Liebe Grüße

  3. Ein sehr bewegender Beitrag und leider wissen wir einfach zu wenig zu schätzen, in was für einem Land wir aufwachsen oder leben dürfen. Auch wenn uns vieles stört, es kann schlimmer sein.

    Ich kann deine Frage gar nicht so spontan beantworten, aber ich werde sie definitiv auf meinem Blog aufgreifen und dort beantworten.

    Vielleicht kann man ja so einen kleinen Stein ins Rollen bringen.

    LG Sabana

  4. Liebe Pauline,

    ein schöner Text der nachdenklich macht. Ich habe mit Ü40 keine Antwort auf deine Frage … es verändert sich viel und ich denke es ist einfach wichtig authentisch zu sein. Einen roten Faden habe ich in meinem Leben auch nicht … irgendwie kommt es meistens komplett anders 😉 …

    Liebe Grüße
    Verena

  5. Liebe Pauline,

    ein toller Beitrag. Du hast eine wunderbare Art zu schreiben – roter Faden hin oder her. 💞

    Ich bin 37 und könnte sie Frage nach dem wer ich bin auch nicht immer beantworten. Das ist komplex und vielschichtig.

    Von Herzen wünsche ich Dir weiterhin dieses positiven Blick auf die Zukunft.

    Liebe das Leben. Es ist so wunderschön. 💞

    Viel Grüße
    Anja von Pinkshape

  6. Also ich finde schon, dass es darum geht Wer man ist und nicht das man ist. Viele menschen leben halt einfach nur so vor sich her und etwas aus sich herauszuholen und beschweren sich dann über das langweilige Leben. daher ist es schon wichtig zu kennen, wer man selber ist.

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