Wie das Schreiben mir vielleicht das Leben retten konnte

Was nun folgt, habe ich geschrieben als ich noch tief in der Depression gesteckt habe. Das ist sehr persönlich und nicht leicht ab zu tippen. Ich habe Seitenweise geschrieben, weil sich der ganze Müll und das Gedankenchaos sonst nur angestaut hätte. Ich habe das Heftchen, in das ich geschrieben habe, gerade erst wieder gefunden und bin ein bisschen erschrocken. Wirklich klar kann ich mich nämlich, bei den meisten Sachen, nicht mehr an das Verfassen erinnern. In dieser Zeit war es ein Ventil, welches ich dringend nötig hatte. Vielleicht war es sogar Lebenswichtig…

Wie bin ich hier hingekommen?

Ich sitze auf dem Sofa im Wohnzimmer, morgens um fünf Uhr und ich bin allein. (Faktisch bin ich nicht alleine, unsere Katzen haben sich an meine Füße gekuschelt, aber ich bin einsam, so einsam habe ich mich noch nie gefühlt. Auch nicht in letzter Zeit, als es schlimmer wurde. Alleine und einsam sein sind für mich ohnehin zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Alleine ist man, wenn sich kein anderer Mensch in der Nähe befindet, aber einsam kann man auch in einem Stadion, gefüllt mit anderen, sein.) Einsam mit meinen schweren Gedanken und den unzähligen “Was wäre wenn…” in meinem Kopf. Depressionen, ein Kampf gegen sich selber. Geschlafen habe ich noch nicht und im Bett zu liegen hielt ich nicht mehr aus. Es hat sich an gefühlt, als würden meine Lungen kollabieren. Als würde ich ersticken und alle Last der Welt einzig und allein auf meinen Schultern liegen. Ich war schon immer empathisch was ich eigentlich für eine gute Eigenschaft hielt, aber ich denke ich bin zu einfühlsam. Gedankensplitter haben meinen Körper, wie schon so oft, durchstochen. Die Erinnerungen an meinen geliebten Opa haben mich in einer erneuten, ungewöhnlich heftigen, Welle überrannt. Mein Bruder ist gerade mit Freunden nach Hause gekommen. Sie waren feiern und sind angetrunken. Ich wünschte ich wäre jetzt glücklich und müde wie sie nach Hause gekommen, könnte ins Bett fallen und nach Sekunden schlafen. Müde bin ich zwar aber an Schlaf ist trotzdem nicht zu denken. Mein Herz hat sich mittlerweile beruhigt und meine Lungenflügel können sich wieder normal füllen. Aber aufstehen kann ich trotzdem nicht. Eine unsichtbare Kraft hält mich immer noch nach unten, wie Gewichte die mich runter ziehen und auf mir liegen. Das ist wohl die Last der Welt, die ich so deutlich spüren kann. Sonst spüre ich nichts. Noch nicht einmal Trauer über meinen Zustand. Nur Schwere die mich mein Leben nicht mehr leben lässt. Mir wurde meine Seele und alles menschliche genommen.

Vor einigen Wochen habe ich es erzählt. Ich hielt das alles nicht mehr aus. Ich bin zusammengebrochen, nach knapp 1 1/2 Jahren bin ich unter der Schwere, die meine Depression angenommen hatte, eingeknickt. Der ständige Regen in meinem Kopf wurde zu laut. Es viel mir schwer, ich wollte nie einer von diesen Menschen sein. Depressionen sind in der heutigen Gesellschaft doch schon als Modekrankheit verschrien. Depressionen sind so unfassbar häufig geworden. Und ich bin eines der Opfer.

Mittlerweile kann ich zum Glück sagen, dass ich meine Seele und das was mich als Menschen ausmacht, wieder gefunden habe. Vielleicht klingt das in deinen Ohren albern, oder sogar lächerlich, aber so sah meine Gefühlswelt vor circa acht Monaten noch aus. Es war, als wären die Dinge, nachdem ich sie niedergeschrieben habe, in meinem Kopf nicht mehr so präsent gewesen. Ich wusste, dass ich, mein Geist, nicht weinen muss, sondern auf dem Papier bluten musste.

P.s.: Heute ist der sechste Oktober. Vor genau 2 1/2 Jahren ist mein Opa gestorben.

Pauline

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